“Takk for oss” oder, der Letzte macht das Licht aus
Mittwoch, 12. Januar 2011, 18:43
Abgelegt unter: Tagebuch

Wir schreiben heute den 12.1.2011

Hallo zusammen!

Vor genau 2 Jahren hat diese Seite ihren Betrieb aufgenommen. Damals noch in Deutschland wohnend, verfasste ich den ersten Bericht an dem Tag, der einem mir unvergeßlichem Abend folgte. 146 weitere Berichte kamen hinzu.  Diese Seite war eine Konstante für mich. Unser Leben wurde das Eure. Ihr konntet uns durch Höhen und Tiefen begleiten. Habt einen Einblick in die ganz intimen Bereiche unseres “Mein neues Leben XXLGoddbye Deutschland- Abenteuers” bekommen. Ein Blog der sich mit Materie füllte und man durchaus etwas über Land, Leute und Gewohnheiten erfahren konnte. Ich wollte nie irgend einer Auswanderseite oder einem Forum Konkurrenz machen, lediglich ein paar Klischees bei Seite räumen und denen gehörig die Stirn bieten. Das war mein eigenes Kind und ich kann sagen das ich es, dank Euch, groß bekommen habe.

Wir werden Haugesund verlassen. Und genau so, wie wir dieses Kapitel hinter uns lassen,  so werde ich diesen Blog schließen. Lange habe ich überlegt, ob ich diese Seite weiterführen soll. Gab sie mir doch am Ende jeder Woche die Möglichkeit, Vergangenes Revue passieren zu lassen. Der Entschluss kommt oder kam nicht unüberlegt und schon gar nicht spontan. Bis jetzt war unser Leben einem Kochtopf gleich, bei dem jeder nur den Deckel heben musste und direkt ans Eingemachte kam. Jeder wusste wo wir wohnen, wie lange wir Arbeiten müssen, wer wann zu Besuch kam und was wir in der Woche so erlebt haben. Selbst am aller heiligstem Familienleben konntet ihr teilhaben. Die Krönung war sicherlich die Geburt von Louis. Ich weiß noch, wie ich Judith im Krankenhaus erzählte, dass die Eintragungen und Glückwünsche an der Pinnwand sich schier überschlagen.

Dies war einerseits von mir gewollt, andererseits legte ich mir auch eine Pflicht auf die mir teils Freude bereitete, teils aber auch lästig wurde.

Nun stehen wir wieder vor einem Neuanfang. Wohntechnisch gesehen zumindest. Wir ziehen in eine kleine Siedlung, die nicht einmal mehr einen Dorfstatus auf Grund ihrer geringen Einwohnerzahl hat. 2 Kaufläden und eine Post. Dazu noch ein Kindergarten und eine Schule. Es ist, wie mein Arbeitskollege mir mitteilte, sehr sozial aber auch sehr intim dort. Beim Kauf einer Packung  Kondome beispielsweise, wird man darauf aufmerksam gemacht, dass man doch noch 3 aus der vorigen Packung zuhause hätte.

Wir verschwinden jedoch nicht komplett von der Bildfläche. Wie, statistisch gesehen,  jeder 8. Mensch haben auch wir ein Facebook- Profil. Namen eingeben, Freundschaftsanfrage senden und auf Antwort warten. Ganz einfach. Zudem sind wir auch bei Skype zu finden.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei Euch bedanken. Danke für 2 Jahre Treue und Support. Danke für mehr als 54 000 Aufrufe dieser Seite. Wir hätten am Anfang nicht mit einer dermaßen großen Resonanz gerechnet. Um so mehr ein Grund den Hut zu ziehen. Wir hoffen, dass wir mit dieser Seite eine Anregung geben konnten. Vielleicht gar manchen als Vorbild gedient haben. Beweist Euch selbst, dass nichts unmöglich ist und glaubt verdammt nochmal an Eure Träume. Wir haben es vorgemacht. Macht es nach! Auf Eure ganz eigene Weise!

So verabschieden wir uns mit den Worten: ”vom Überall ins Nirgendwo, Geschichten enden nun mal so”. Wir sehen uns im März!  Danke und gute Nacht!

Und zum letzten Mal

 In diesem Sinne 

Gruß

Karsten



Stifte raus!
Freitag, 7. Januar 2011, 16:48
Abgelegt unter: Tagebuch

Da das neue Jahr nun schon etwas fortgeschritten ist, mag ich gleich zu Anfang ein Thema ansprechen, welches mir in den letzten Tagen und Wochen doch etwas schwer im Magen lag.

Hallo zusammen!

Auf meinen Hinweis: “Achtung, neues unter Termine” war die Anzahl an Rückmeldungen, die Eingegangen sind, doch etwas gering. Mag daran liegen, dass es noch im alten Jahr angekündigt wurde, wo alle mit Weihnachten und den Feiertagen zu tun hatten. Auch gut möglich, dass der obligatorische Kalender in der Küche noch nicht hing. Beides Argumente, die von nun an nicht mehr zählen. Um Mißverständnisse aus dem Weg zu räumen, spreche ich hier noch einmal alle an. Jeder, der diese Seite ließt, ist also aufgefordert mir eine Email zu senden, sofern denn der Wunsch nach einem Wiedersehen bestehen sollte. Wir schaffen es nicht jeden zu besuchen und würden uns auf ein Wiedersehen im etwas größerem Kreis sehr freuen. Deutlicher kann und will ich nicht werden!

So, da der Anschiß gleich zu Beginn kam, habt ihr jetzt nichts mehr zu befürchten.

Die erste Woche des neuen Jahres verging schnell. Auf der einen Seite stehen wir unter enormen Termindruck, der reichlich Überstunden mit sich bringt, auf der anderen Seite ist es hier (wie in Deutschland wohl auch) früh dunkel. Die Aktivitäten reichen von der Couch zum Wickeltisch und bis an den Kühlschrank. Hund und Vermieters Katze haben aufgehört sich um den Platz vor dem Kamin zu streiten. Sie liegen jetzt einfach zusammen da. Ja, wenn es kalt wird, rückt man schon mal ein Stück näher zusammen.

Louis wurde geimpft. Zwei Spritzen, in jeden Oberschenkel eine, haben der Mama beim Zuschauen wahrscheinlich mehr weh getan als ihm selbst. Etwas quengelig verging dann der weitere Tag. Heute ist jedoch alles wie gehabt. Er hat jetzt angefangen zu lachen. Also gelacht hat er vorher schon, jetzt ist auch Ton mit dabei. Dies hat zur Folge, dass Papa sich köstlich amüsiert. Einerseits des Kleinen wegens, andererseits der Grimassen wegen, die Mama macht um ersteres zu erreichen.

Auf der Arbeit gab es Heute eine dokumentierte Unterweisung. Heißt so viel wie, der Arbeitgeber sichert sich gegen alle Eventualfälle ab. Also immer schön Helm auf, Gefahrenbereiche abzäunen und am Schluß immer auf den Not-Aus drücken. Alle Unterschreiben und weiter bitte. Keine 10 Minuten später war alles wieder beim Alten. Die Gefahrenbereiche waren nicht abgezäunt und auch der Chef lief unter den Lasten ohne Helm munter hin und her. Sind sie nicht drollig die Nordmänner (und Frauen)?! Den Not-Aus haben die nachher bestimmt auch nicht gedrückt.

Jetzt ist Freitag. Das heißt, wie an allen anderen Freitagen auch, Bericht schreiben. Da dieser so gut wie fertig ist, steht der zweite Punkt quasi schon vor der Tür. Einkaufen. Was wären wir ohne Rituale. Und da der vermehrte Gang zum Kühlschrank nicht nur Kalorien verbrennt, sondern auch schnell zur Ebbe führt, wird jetzt also wieder geflutet. Was jedoch widerum zu einer Ebbe in der Haushaltskasse führt. Aber dafür gibt es ja die Überstunden. Wie ihr seht haben wir uns hier ziemlich den Gezeiten angepasst. Nur in einem anderem Rhythmus.

In diesem Sinne

Gruß

Karsten



Happy New Year
Samstag, 1. Januar 2011, 10:42
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No more champagne and the fireworks are through…

Hallo zusammen!

Da ist es wieder Januar! Der Erste um genau zu sein. Die guten Vorsätze sind so stark wie noch nie im Kopf verankert und dieses Mal ziehen wir sie auch durch! Die überflüssigen Kilos, die neue Sportausrüstung, die doofen Glimmstengel und der etwas überhöhte Alkoholkonsum haben nun ein Ende und wir werden alle bessere Menschen. Spätestens Ende Februar dann die Einsicht, dass es wieder nichts geworden ist, aber man hat ja schließlich noch das ganze Jahr Zeit, deshalb ist es auch nicht schlimm wenn man ein wenig sündigt. Wie schnell man wieder in alte Gewohnheiten verfällt muss ich hier nicht erwähnen. Ebensowenig meine guten Vorsätze. Ich denke man sollte sie für sich behalten. Dann ist man höchstens seinem Spiegelbild Rechenschaft schuldig und das musste ja schon so einiges einstecken!

Wie feiern denn die Norweger Silvester? Ich würde fast behaupten, nicht anders als die Deutschen auch. Nur ohne Dinner for one. Es wird eingeladen, getrunken und geböllert. Ob und wie viel geknallt wird, darüber fehlen mir jegliche Anhaltspunkte und ich enthalte mich meiner Meinung. Einen Unterschied gibt es noch. Es ist alles teurer hier. Die Preise für Raketen und dergleichen sind hier mindestens so hoch wie der Alkoholpreis. Dennoch wird von beidem reichlich konsumiert. Also Raketen rauf und Alkohol runter. Wobei letzterer in nicht wenigen Fällen auch rauf kommt. Da ist aber die Frage wie viel vorher runter gegangen ist.

Was haben wir gemacht? Wir haben uns Besuch eingeladen. Wollten damit verhindern, dass sich das Eklat von letztem Jahr wiederholt, wo wir Silvester am 1. Januar gefeiert haben, weil wir uns am 31.12 dermaßen zerstritten hatten. Das war dieses Jahr anders. Ein netter Abend in gemütlicher Runde. Ein wenig Wein, ein wenig Bier, viel zu Essen und geböllert und geknallt wurde auch nicht. Dafür fanden wir, es sei eine gute Idee um Mitternacht auf der Karmsundbrücke zu stehen und uns Haugesund sowie einen Teil von Karmøy bei Nacht und mit Feuerwerk anzuschauen. Boen bis 20 m/s  also fast  Sturm, hielten uns jedoch davon ab die Brücke auch nur zu einem Drittel zu besteigen. Zudem war der Schaum vom Sekt diesmal kein Problem, der wurde sofort weggeweht. Und so standen wir also gute 15 Minuten, weil man ja so früh losgehen musste, vor der Mautstation und haben uns über jedes Auto gefreut, was vorbeigefahren ist und entweder ein Licht oder auch keins bekommen hat. Dann kurz vor Zwölf, wagemutig ein Stück die Brücke rauf, ein wenig Feuerwek geguckt und schnell wieder runter. Erwähnte ich, dass wir Plusgrade haben und der ganze festgefahrene Schnee auf Grund von Regen zu einer Eisbahn geworden ist? Wir sind also sprichwörtlich ins Neue Jahr gerutscht.

Ein Winzling, dessen zwei große Augen mich gerade völlig faszieniert von der Seite anstarren, setzt meinem Schreibfluß ein jähes Ende. Die guten Vorsätze halt!

In diesem Sinne

Gruß

Karsten



God Jul!
Freitag, 24. Dezember 2010, 13:00
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Endlich, jetzt noch die Feiertage und Weihnachten ist rum. 11 Monate ohne Last Christmas im Radio! 

Hallo zusammen!

Wie die Überschrift schon sagt kommt von uns auch ein weihnachtlicher Gruß aus dem hohen Norden. Wie wir die Feiertage angehen lassen? Heute gibts Kartoffelsalat mit Würstchen, danach etwas Käse und zum Abschluss Lachs. Morgen dann Schinkenbraten und Svenja, die einen Vogel mitbringt. So beschaulich und schlicht feiern wir hier oben Weihnachten.

Es ist weiß draußen. In der Nacht kam noch mal gut Neuschnee so dass wir jetzt bei gut 40 cm sein dürften. Ein ziemlich unangenehmer Wind hat mein Vorhaben, einen Dorsch für den 2.Feiertag zu fangen, scheitern lassen. Ich wollte es eigentlich zur Tradition werden lassen, jeden Vormittag des 24.12 mit angeln zu verbringen. Nur leider habe ich meine Rechnung ohne das Wetter gemacht. Und so sitze ich nun hier und schreibe, während andere noch durch die Stadt hetzen oder die durch die Stadt hetzenden bedienen.

In der letzten Woche durfte ich ein ganz merkwürdiges Phänomen feststellen. Mutterinstinkt. Am eigenen Leib erfahren ist das schon etwas beängstigend. Aber von vorne. Judith hatte einen Augenarzttermin. Zu diesem brachte ich sie hin und nahm Louis mit. Weil, was soll der Kleine beim Arzt? Kann lieber Papas stolzgeschwellte Brust noch etwas hervorheben und sich durch die Stadt tragen lassen. Dachte ich,tat ich auch. Ich trug ihn durch die Stadt. Hatte da noch diverse Ämtergänge zu erledigen. Post, Versicherung und Bank. Schon bei meinem Weg durch die verschneite Fußgängerzone, bei dem man anderen Vätern mit Kinderwagen oder Tragesack ein anerkennendes Nicken zuwirft, weil wir gehören ja jetzt einer ganz speziellen Gruppe an, hatte ich immer ein ungutes Gefühl im Nacken. Besonders wenn man an Frauen vorbeiging, erntete man eher  fragende oder skeptische Blicke. Der und ein kleines Kind? Sieht gar nicht so aus als wenn der jetzt damit klarkommt wenn der Kleine anfängt zu schreien, geschweige denn die Windel voll hat. Was wohl mit der Mutter ist? Warum ist die nicht dabei? Ist das überhaupt seins?

Als ich in der Bank war, den Kleinen abstellte und mich der guten Frau am anderen Ende des Schreibtisches zuwandte, dachte sich Louis das es doch sehr doof ist wenn Papa einen nicht trägt und schüttelt und so. Also begann er aus vollem Hals zu schreien. An einen Schnuller den ich aus dem Ärmel gezaubert habe, war er nicht im geringstem Interessiert. Als ich mich wieder der guten Frau zuwandt, meine Fragen im Eiltempo loswurde und mich wieder zu Louis wandte, waren da gleich 3 (in Worten”DREI”) bankangestellte Damen die sich um seinen Maxi-cosi scherten und ihn betüddelten. Was er denn hat? Bestimmt Hunger! Und noch so klein. Ob das nicht zu kalt ist mit so einem Winzling. Nee meine Damen ganz anders. Langeweile. Wenn Papa ihn jetzt hoch nimmt ist er noch nicht ganz an der Tür und es ist Ruhe im Schiff oder Maxi.cosi, ganz wie man will. Gesagt getan. Drei Damen hinter mir herstarrend verließ ich die Bank. Bei der Versicherung das genau gleiche Spiel.  Nur waren es hier lediglich 2 Damen. Dafür aber die gleichen Argumente. Das schlimme war, das ich nach der Versicherung wieder in die Bank musste. Zum Glück kam, als ich diese betrat, Judiths Anruf, in dem sie mir mitteilte das sie beim Arzt fertig sei und ich bitte in der Bank auf sie warten soll. Unser Männerausflug in die Stadt war also beendet. Danach gingen wir noch in diverse Geschäfte. Selbes Spiel. Sobald er irgendwo in Ruhe stand kam der Protest. Jetzt war aber die Mama dabei und kein Schwein interessierte es mehr warum der Kleine denn jetzt grade schreit. Wenn die Mama dabei ist, kann es sich um nichts schlimmes handeln. Das nächste Mal liebe Damen wickel ich den Kleinen auf einem Eurer Schreibtische, verlaßt Euch drauf.

Mir würde es im Suff nicht einfallen ein anderes Kind in begleitung eines seiner Elternteile derart zu bemuttern, wie es diese Frauen getan haben. Ein Blick und der ein oder andere Gedanke. Handgreflich würde ich nicht werden. Da kann man mal sehen was so ein bischen Babygequäke bei Frauen mittleren Alters ausmacht. Sollte ich eine CD aufnehmen? Der Markt ist sicherlich da, jetzt wo die Zielgruppe gefunden ist.

Damit aber noch nicht genug. Abends waren wir noch einkaufen. Da Judith es so eilig hatte und mich regelrecht zum Wahnsinn getrieben hat, stellte ich an der Kasse, den kleinen auf dem Arm, fest, dass mein Portomonaie auf dem Küchentisch lag. Ich bat der guten Frau an der Kasse an, den Kleinen als Pfand dazulassen, während ich mit den Sachen schon mal nach Hause fahre. Könnte ne neue Windel gebrauchen, wollte ich noch als Bonbon oben draufsetzen. Dazu kam ich aber gar nicht. Ich schaute in ein hoch erfreutes, strahlendes Gesicht der Kassiererin. 

Kopfschüttelnd verließ ich den Laden, in dem Judith jetzt schon mal die Sachen einpackte und dann auf mich wartete. Mit dem Kleinen!

In diesem Sinne

Gruß

Karsten



KRP
Freitag, 17. Dezember 2010, 19:47
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Nein, keine Partei die ich gründen will, auch keine die es schon gibt, die heißt nämlich Frp, die Abkürzung steht für “Kinderreisepass”.

Hallo zusammen!

Da waren wir also in Stavanger. Beim Honorarkonsul der deutschen Botschaft. Travbaneveien 1 in der 3. Etage. Ganz einfach. Dumm, dass das Gebäude nur 2 Etagen hatte. In der Ersten befand sich eine Spedition, in der Zweiten eine Baufirma. Einzig der Pleitegeier, der auf einem gelbem Schild an der Fassade angebracht war, verriet, dass man hier suchen müßte. Ich also rein, in die zweite Etage und einfach mal gefragt, wer denn die 3. Etage geklaut hat. Ich sah in ziemlich verwirrte Gesichter. Also Zettel raus und vorgelesen. Ach so, ja nee, das wäre hier. Zugegeben, etwas skeptisch muss ich auch aus der Wäsche geguckt haben. Aber, selbstsicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit war die Devise. Ob ich denn einen Termin habe. Klar sag ich, bin zwar etwas zu früh, aber ließ sich nicht anders bewerkstelligen. Der gute Mann kommt nur zu Terminen ins Haus. Hat ein Büro hier, welches aber eben nur in Terminabsprache besetzt ist. Lange Rede kurzer Sinn ich konnten wieder gehen, weil: eine Stunde zu früh.

Da Ikea gleich um die Ecke lag und meine Frau sich ein Bein abgefreut hat, als sie hörte, dass wir nach Stavanger müssen, sind wir dort hin und haben schon mal geguckt, was es denn für uns zum Mittag geben wird. Kurz noch den kleinen Mann versorgt und wieder zur Baufirma. Ein Mann im fortgeschrittenem Alter nahm uns in Empfang, ließ sich die Papiere aushändigen, Judith und ich mußten genau eine Unterschrift leisten und danach draußen warten, als er Kopien machte. Da setzte er dann einen Stempel drauf, kassierte 20 €, gab uns den ganzen Rotz wieder mit und sagte, dass wir dies doch bitte nach Oslo schicken sollen. Keine 5 Minuten und der Fall war abgehakt. Ähm Moment, sag ich zu Judith, als wir im Aufzug zwischen Baufirma und Spedition waren. War das jetzt alles? Dafür mussten wir jetzt hier hin? Ich rechne mal kurz zusammen. Ein voller Tag Arbeitsausfall, 50 € für die Fähre, hinzu kommen noch diverse Mautstationen, Spritgeld und noch mal 20 € für 4 Kopien mit 4 Stempeln drauf. Der Brief nach Oslo muss einen frankierten Rückumschlag mit 12 € haben und der Pass selbst kostet auch noch mal 25 €. Und das schlimmste ist, Ikea ist in der Rechnung noch nicht mit bei.

Louis wird also deutsch ohne Deutschland je gesehen zu haben. Das werden manche nicht, die schon 30 Jahre da leben. Komische Welt.

So verging also mein letzter freier Tag in diesem Jahr, an dem ich alles, nur nicht frei hatte.

Was gibt es sonst noch? Ich bin genervt. Am 10.12.2010 hatte sich Weihnachten für mich dieses Jahr erledigt. Es war das erste Mal, dass Wham im Radio lief und seit dem wird man hier mit “Jul” vollgepumpt bis der Arzt kommt. Jeder hat jetzt natürlich die besten Julpriser, in den Läden gibt es wieder alles mit Jul, von der Wurst bis zu Frikadellen und Fisch. Und alles muss man haben, weil ohne ist ja nicht Jul. Seien wir doch mal ganz ehrlich. Dieses Jahr könnte Weihnachten doch nicht beschissener Fallen. Heiligabend auf einem Freitag und die Feiertage am Wochenende. Da wird man noch nicht mal mehr entschädigt. Was ich sagen will ist Folgendes. Der heilige Abend. Man sitzt beisammen, ißt was, packt Geschenke aus, streitet oder besäuft sich (eventuell auch beides) und dann kommen die Familienbesuche. Wovor man sich das ganze Jahr über gedrückt hat, muss man jetzt quasi im Marathon erledigen. Ganz ehrlich, die Nettozeit Weihnachten beträgt doch wirklich nicht mehr als 3-4 Stunden. Je nach Geschenk, was man gemacht hat, kann es am Abend auch mal zu einer Verlängerung kommen. Aber sagen wir, über den Daumen gepeilt gut 4 Stunden Harmonie. Und dafür werden wir seit mehr als 6 Wochen terrorisiert. Ich für meinen Teil sehe da kein bischen Relation.

Wie es Louis so geht? Zuerst die technischen Daten: 65 cm und 6,2 Kilo. Er nimmt immer mehr am Geschehen teil, brabbelt sich manchmal was in den nichtvorhandenen Bart und findet den Mann, der die Treppe rauf geht, anklopft und zum Schluss den Herrn Nasemann begrüßt, zum Schreien komisch.

Zum Schluß, wie bei der Tagesschau bevor der Gong kommt, das Wetter! Wir haben es auch weiß. Gute 10 cm. Aber was ich da von Deutschland höre und lese läßt die Frage aufkommen, wer nördlicher wohnt. Alles wie immer eine Folge des Klimawandels. Aber dass jetzt weiter zu erläutern würde den Rahmen sprengen.

In diesesm Sinne

Gruß

Karsten



Bergenhelg
Freitag, 10. Dezember 2010, 18:48
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Nachdem wir uns am letzten Wochenende eine Auszeit in Bergen gegönnt haben, kommen hier wieder die Zeilen, die das Wochenende einläuten.

Hallo zusammen!

Jetzt, da wir Zuhause sind und die erste Arbeitswoche rum ist, nutze ich die Zeit für einen kleinen Rückblick um mein Fazit zu ziehen. An diesem will ich Euch gern teilhaben lassen. Damit ihr seht was in anderen Ländern so Sitte ist.

Wir haben es vorgezogen mit dem Auto zu fahren. Meine Arbeitskollegen meinten zwar wir sollten mit ihnen eine Bootstour nach Bergen machen, aber ich wußte schon vorher, dass es ein heilloses Besäufnis auf dem Schiff geben wird. Wäre ich allein gewesen, dann ja. Aber als verantwortungsvoller Familienvater, der Frau und Kind bei sich hat, no way!

Das erste, was ich im Hotel gemacht habe? Ich bin in die Badewanne gegangen. So dachte ich, jetzt könnt ihr mich alle mal! Freute mich auf eine halbe Stunde plantschen samt Seele baumeln lassen und allem, was dazugehört. Tauchte gerade ab, als der Feuerarlarm des Hotels meinen Plan zunichte machte. Judith kam ins Bad gestürzt und plötzlich war es mit der Ruhe vorbei. Feueralarm! Ja, dass das nicht die zimmereigene Eieruhr ist, war mir auch klar. Was wir denn jetzt machen sollen. Genau so schnell, wie der Alarm kam, war er auch wieder erloschen. Weiterbaden sagte ich und setzte mich wieder. Ich war noch keine 5 Minuten in der Wanne, von wegen Eieruhr und so. Und da Judith nun schon mal im Bad war und den Kleinen bei sich hatte, konnte sie ihn auch gleich dalassen. Es stand also Vater - Kind- Schwimmen auf dem Programm. Als dieses dann beendet und das Wasser kalt war, machte ich auch Anstalten die Wanne zu verlassen. Beim Abtrocknen dachte ich es sei eine gute Idee schon mal das Wasser aus der Wanne zu lassen. Dieses meinte sich dann aber nicht in die Leitung, sondern auf dem gesamten Fußboden zu verteilen. Was ist das für eine Sch…. dachte ich nur. Steckte den Stopfen wieder drauf, machte mich fertig und stattete der Rezeption einen Besuch ab. Gerade angekommen, kamen auch meine Kollegen vom Schiff und meinten mir und danach der Angestellten erklären zu müssen, dass es in Norwegen ganz normal ist, wenn man an diesen Teilen an der Wand dreht, dass dann Wasser kommt und man da keine Angst vor haben muß. Ob es soetwas in Deutschland nicht gibt und ob die Angestellte schon mal da war und überhaupt, welches Zimmer sie eigentlich haben. Ja, kommt gleich jemand rauf. Danke! Im Aufzug dachte ich mir dann, dass es eine sehr gute Idee war mit dem Auto zu fahren. Wie sich rausstellte, war man mit dem Problem vertraut und man empfahl, beim nächsten Mal das Wasser langsam abzulassen, dann passiert auch nichts. Ok!

Kurz noch dem Rema einen Besuch abgestattet und dann ins Bett, Nüsse essen und Fernseh gucken. Der Kleine schlief bei uns im Bett, was zur Folge hatte, dass Judith die halbe Nacht wach war. Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich ganz ordentlich geschlafen habe. Der Rest der Truppe war übrigens die Nacht über aus gewesen und hatte “Fest”. So heißt das hier, wenn man sich zulaufen läßt. Beim Frühstück hörte ich dann die Geschichten und war froh, dass ich im Bett war. Der hat seinen Geldbeutel irgendwo verloren, der hat sich mit dem Chef angelegt und ein anderer musste an der Rezeption nachfragen, welches Zimmer er denn überhaupt hat, nachdem er sich zuvor im Hotel verlaufen hatte. Samsatg vormittag war Familientag. Bergen angucken und ins Aquarium. Am Nachmittag dann eine Präsentation von der Leitungsebene. Dort traf ich dann auf alle Schnapsleichen, die sich mehr oder weniger daneben benommen haben. Ich entschloß mich den weiteren Nachmittag mit Ihnen zu verbringen. Sagte kurz Judith Bescheid und trank danach 5 halbe Liter in 90 Minuten. Dementsprechend ging der Tag dann weiter. Hier auf dem Zimmer ein Weinchen, da n Schnäpschen und immer: “Skål!” Einer meiner Kollegen legte sich in ein Zimmer, welches die Putzfrauen kurz zuvor sauber gemacht hatten und dummerweise vergaßen es zuzumachen. Hatte den Effekt, dass sie es gleich noch einmal reinigen durften, da er den Nachmittag auf dem Klo gelassen hat.

Das Kabarett am Abend verschlief ich dann halb. Es war schlecht. Das anschließende Essen sollte nicht besser werden. Mein Vorarbeiter durfte noch mit uns Essen, wurde danach aber, auf Grund seines Benehmens, vom obersten Chef höchstpersönlich ins Bett geschickt. Dies hatte zur Folge, dass ich mich angeregt mit seiner Frau unterhielt. Da ich am Nachmittag so viel getankt hatte und nun nichts mehr rein passte, verabschiedete ich mich auch recht früh. Sie bedankte sich bei mir, eine nette Vertretung für ihren Mann gehabt zu haben. Jetzt aber schnell ins Zimmer, dachte ich. Erzählte Judith dann, dass mir ganz schlecht vom schlechten Essen sei und schlief den Schlaf eines Mannes, der für diesen Tag genug hatte.

Sonntag gab es dann nochmal Frühstücksbuffett, welches wir zusammen mit meinem Chef eingenommen haben, und dann gings ab nach Hause. Zuvor noch schnell das Parkhaus um 50 € reicher gemacht (Freitag Abend bis Sonntag Morgen versteht sich) und durch halb Bergen gelatscht, weil ja alles gesperrt war.

Takk for meg, takk for laget, takk Bergen! Vi sees!

In diesem Sinne

Gruß

Karsten



Minus 9,3°
Samstag, 27. November 2010, 16:02
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Das war die Tiefsttemperatur vor unserem Wohnzimmerfenster letzte Nacht.

Hallo Zusammen!

Irgendwie scheint sich der Samstag in Hinsicht auf neue Berichte, einzubürgern. Nach einem für seine Verhältnisse sehr entspanntem Freitag, ging die Ruhe nahtlos in den Samstag über. Diese fand jedoch ein jähes Ende als ich grade auf dem Weg zum angeln war. Ich traf unseren Vermieter. Ob ich denn heute Abend arbeiten könnte?! Moment, muss ich mit Judith absprechen. Noch auf unserer Straße, denn weiter kam ich nicht, gedreht und schnell nachgefragt. Jaja, kein Problem. So viel zum freien Samstag. Morgen geht es ja wie gewohnt im Restaurant weiter. Die Woche endet also bei mir am Freitagnachmittag und beginnt am Sonntagmorgen wieder. Ausnahmen bestätigen die Regel. Wenn ihr mich fragt, hab ich jetzt schon kein Bock mehr auf Weihnachten. Aber es ist jedes Jahr das Selbe. Nach Weihnachten ist dann etwas Ruhe. Dann will keiner mehr Essen und man könnte das Restaurant auch getrost zu machen. Dann gibt es wieder Wochenenden und hoffentlich wieder Eisangeln.

Im Moment stehen die Chancen ganz gut. Alle Seen und einige Fjordenden haben schon bis zu 10 cm Eis drauf. Aber natürlich ist es noch alles andere als sicher. Vor 25 cm geh ich da nicht drauf. Da kann dann auch mal eine Strömung 10 cm Eisdeckenunterschied verursachen. Es ist besser ein kleines Polster zu haben!

Ich habe gelesen das in Deutschland im gerade ”Die Säulen der Erde” im Fernseh laufen. Da ich mit Judith im Moment dabei bin das Buch zu lesen (ich lese, Judith hört zu) wären wir natürlich auch an dem Film interessiert. Sollte es also einen Computerfreak unter Euch geben, der es hinbekommt alles aufzunehmen, auf einen USB Stick zieht und mir diesen dann auch noch zuschicken könnte, würde ich dieses reichlich belohnen wollen. Stick kommt natürlich auf dem Postweg zurück!

Im März ist Deutschlandbesuch angesagt. Wobei wir gleich beim nächsten Thema wären. Unserem Aufruf sind doch eine Menge Leute gefolgt und ob ihr es glaubt oder nicht, wir sind zwar eine Woche da, schaffen es aber trotzdem nicht alle zu besuchen. Also kehren wir den Spieß doch einfach um. Ich könnte mir vorstellen ein Treffen zu organisieren. Wir mieten eine kleine Lokalität an. Alle die kommen wollen, sollten peinlich genau darauf achten das ich ihre Emailadresse habe. Vorsichtshalber mir noch einmal zuschicken. Meine Emailadresse findet ihr im Impressum. Je nachdem wie viele sich bis zu einem Datum x melden, können wir dann auch gucken wo und wie wir das veranstalten. Eine offizielle Einladung mit Ort und Zeit wird es auf dieser Seite nicht geben. So könnte ich mir vorstellen ein kleines Behnk.info Familien und Freundefest hinzubekommen. Also melden, melden, melden!!!

Neuigkeiten aus Norwegen? Hmmm, das frage ich mich auch jedesmal. Gibt es Neuigkeiten? Ich habe etwas im Archiv gewühlt. Letztes Jahr um diese Zeit hat es hier nicht geregnet, es hat gegossen. Ganz anders dieses Jahr. Das letzte Mal Regen ist schon über 2 Wochen her. Wäre auch fatal bei diesen Temperaturen! Wir haben einen Kinderwagen, einen Termin in Stavanger für Louis und seinen Reisepass und Judith hat die Haare ab. Also nicht ganz, sondern nur geschätzte 20-25 cm kürzer. Wir haben am Donnerstag versucht am Sund zu angeln. Aber kälte und früh einsetzende Dunkelheit machten uns einen Strich durch die Rechnung. Ich hatte lediglich einen Biss den ich dann auch noch sträflig verwertet habe. Also kein Fisch.

Louis war wie jede Woche bei der Gesundheitsstation zum Mesen und Wiegen. 5700 Gramm bei 61 cm. Die Kolliken werden langsam weniger und der Schlaf etwas besser, wobei gut noch weit entfernt liegt.

Auf der Arbeit liegen im Moment keine Überstunden an und nächstes Wochenende ist Julebord (Weihnachtsfeier). Also der Termin an dem alle sich hemmungslos zulaufen lassen, sich dermaßen daneben benehmen und Montag damit prahlen das sie immer noch Kopfschmerzen vom Saufen haben. Aber cool war es auf jeden Fall auch wenn man nur einen Bruchteil bewußt miterlebt hat und der Großteil nur noch Grauzone ist. Und da wir dieses Jahr so fleißig und der Chef deshalb so gut gelaunt war, gibt es ein Wochenende Bergen mit Hotel für die gesamte Belegschaft samt Partner. Ich überlege ob ich nicht einfach mal mitmache. Also zusaufen und daneben benehmen. Ich will doch keine Gelegenheit auslassen mich hier voll zu intergrieren. Ein böser Blick von links, sie liest mit, lässt mich mein Vorhaben noch mal überdenken. Daher ist nicht klar ob es nächstes Wochenende einen Bericht geben wird. Also wegen der Weihnachtsfeier meine ich.

Seid also gespannt und nicht vergessen, melden, melden, melden!

In diesem Sinne

Gruß

Karsten



Trocken gelegt
Samstag, 20. November 2010, 20:16
Abgelegt unter: Tagebuch

Winterzeit ist keine Angelzeit. Das musste ich gestern feststellen, als ich lieber am Wasser war und “versuchte” Fische zu fangen, anstatt hier ein paar Weisheiten in den Orbit zu tippen.

Hallo Zusammen!

Fisch gab es natürlich nicht. Sonst hätte ich das versucht nicht in Klammern gesetzt. Vereinzelt kleine Störenfriede, die ihren Weg aber zurück ins kühle Nass gefunden haben. Kühl ist der falsche Ausdruck. Es war schweinekalt. Und ich stand nur am Rand, nur so als Info.

Heute war dann Boot trocken legen angesagt. Dass der Winter hier mit bösen Überraschungen aufwarten kann, haben wir letztes Jahr gemerkt. Da wäre an Bootfahren gar nicht zu denken gewesen. Ich sage Euch, jetzt, da die Holz und Salzvorräte überall knapp werden, ist Ruhe angesagt. Dieser Winter wird bei weitem nicht das Ausmaß des letzten erreichen. Alle haben ihn zwar noch gut in Erinnerung, daher auch die Hamsterkäufe. Aber ich habe das Boot aus dem Wasser und in unseren Garten verfrachtet. Der Winter wird nicht schlimm. Letztes Jahr habe ich noch überlegt mir Langlaufski zuzulegen. Ich sage Euch, hätte ich diese gekauft, wäre kurz danach auch schon Schluß mit der weißen Herrlichkeit gewesen. Das ist immer so. Isn´t it ironic?

Die Sache mit dem Boot ging schneller und vorallem leichter, als ich mir gedacht habe. Nur der Trailer war wieder das Problem. Aber auch das haben wir diesmal gelöst bekommen. Einfach mal doof dort nachfragen, wo sie solche Teile verkaufen. Da kann man auch oft welche leihen.Gar nicht so schwer. Jetzt kommt auf jeden Fall ne Plane drüber und dann kann kommen, was sicher nicht kommen wird.

Ein Auswandertagebuch lebt ja bekanntlich von Sachen, die anders sind als im Heimatland. Also z.B., dass das Bier hier teurer ist und zudem noch nicht mal mehr schmeckt. Oder dass dieses Volk hier weder Ahnung von Fleisch, geschweige denn von Backwaren hat. Aber Bürokratie - das können die hier auch. Also eigentlich können sie es nicht und dafür sind dann wieder die Deutschen zuständig. Deshalb habe ich auch überlegt, ob ich das hier schreiben soll. Ich tue es einfach.

Wir brauchen einen Pass. Also nicht wir, sondern Louis. Dazu brauchen wir zig Formulare und Zettel, einige davon müssen beglaubigt sein und  dürfen zur Zeit der Antragstellung nicht älter als 3 Monate sein. Haben wir dieses Wirrwarr dann endlich bewältigt, müssen wir zum Abzweig der Botschaft nach Stavanger. Nicht einer von uns, weil das wäre ja einfach, nein, beide. Mit Louis. Also alle drei. Die Botschaft hat aber nur bis 11 Uhr geöffnet. Jetzt stell sich mal einer vor wir müssten nach Oslo. Da kommen wir für den Kinderausweis gerade noch drum herum. Dieses Vergnügen steht uns dann bevor, wenn wir mal einen neuen Reisepass brauchen. Das geht nur persönlich in der Hauptstadt. Da kann man dann erst mal Urlaub nehmen, Flug und Hotel buchen, womöglich noch einen Leihwagen. Und alles nur für einen Pass. Sobald es uns möglich ist die Staatsbürgerschaft anzunehmen, werden wir dieses tun.

Ansonsten geht es uns allen gut. Louis war bei der Kinderärztin. Alles genau nach Plan. Er wiegt 5500 gramm bei 60 cm Körperlänge. Die Bauchschmerzen werden langsam weniger. Dies darf man natürlich nicht aussprechen. Deshalb schreibe ich es auch nur.

Bis jetzt sind schon ein paar Anfragen wegen unseres Deutschlandbesuches gekommen. Wir haben aber noch wenige Termine frei. Einfach melden.

In diesem Sinne

Gruß

Karsten



Goldfieber
Samstag, 13. November 2010, 21:42
Abgelegt unter: Tagebuch

Oder auch Arbeit ohne Ende. Ganz wie man will!

Hallo alle miteinander!

Ich weiß, es ist nicht Freitag, trotzdem bekommt ihr einen Bericht zum Wochenende serviert.

Und wo ist überhaupt die Pinnwand. Keine Angst, die hat keiner geklaut. Wir hatten nur ein paar Probleme mit Spams die sich dort eingeschlichen und gleich noch ein paar nette Viren da gelassen haben. Deshalb erst mal außer Betrieb, bis wir das Problem in den Griff bekommen.

Das Thema “Goldsuche” scheint ja doch den ein oder anderen sehr interessiert zu haben. Hier werde ich eher von meinen Arbeitskollegen ausgelacht, wenn ich Ihnen erzähle, dass ich entweder mit meinem Metallsucher unterwegs oder zum Goldsuchen war. Und da ich eins meiner neuen Hobbys etwas anpreisen möchte, bekommt ihr einen kurzen Bericht zur Goldsuche.

Ich habe mir auf der Karte (samt Luftbildern) angeschaut, wie es in der näheren Umgebung um die Goldmienen aussieht. An den Mienen selbst ist das Suchen verboten. Privatgrundstück und man braucht die Genehmigung des Eigentümers, den ich nach gefühlten 1000 Anrufen immer noch nicht erreicht habe. Hatte nach kleinen Bächen und dergleichen ausschau gehalten. Fand sogar einen, der gar nicht so weit entfernt lag. Also Waschrinne und Pfannen eingepackt und los. Mit der Fähre über den Bømlafjord und bei den Goldmienen rechts ab.

Rucksack auf und erst mal ein paar Kilometer durch die Pampa gelatscht. Also eigentlich war es nicht sooo lang, wenn man die Luftlinie betrachtet. Aber über Stock und Stein, und das meine ich so, wie ich es sage. Und tatsächlich, ich fand den Bach den ich auf den Luftbildern gesehen habe und der auf der Karte als solcher ausgewiesen war. Dachte mir die ganze Zeit, dass, wenn goldhaltiges Gestein da ist, sicher auch kleinste Nuggets im Bach zu finden sind. Die Erkenntnis am Bach war mehr als niederschmetternd. Vorwiegend faustgroße Steine. Kaum Kies, geschweige denn Sand. Nein, das konnte jetzt nun wirklich nicht sein. Dafür bin ich nicht so weit gefahren. Also weiter am Bachlauf lang, der nach oben hin immer schmaler wurde und zudem immer weniger Wasser mit sich führte. Eine kleine Sandbank ließ mich trotz allem mein Geschirr nicht unnötig mitgeschleppt haben. Damm gebaut, Waschrinne ans laufen gebracht und gehofft. Nichts. Gar nichts. Etwas entmutigt ging es dann nach über einer Stunde wieder in Richtung Auto. Und jetzt? Goldmienen angucken. Die Stollen sind mehr als 100 Jahre alt. Die meisten voll Wasser, andere wiederum sind abgesperrt. Aber die Quarzhügel sind noch da. Egal, wie gründlich man vorgeht, übersehen wird immer etwas. Dachte ich und begab mich auf die Knie um zu suchen, was andere übersehen haben könnten. Ein Versuch war es ja wert. Wenn ich schon kein Glück am Bach hatte…. Auch hier gab ich irgendwann auf. Ich drehte 10 000e kleiner  und großer Quarzbrocken hin und her. Fand Pyrit und Kupfer und Gabbro, aber nirgends war auch nur ein Stecknadelköpfchen goldglänzendes Metall drauf. Irgendwann sah alles gleich aus und ich sah ein das Goldsuche sehr viel mit dem Angeln am Kanal in Deutschland zu tun hat. Man braucht sehr viel Geduld. Und Zeit. Beides war an diesem Tag nicht so reichlich vorhanden und da ich ja zudem auch noch Familienvater bin, trat ich am frühen Nachmittag wieder die Heimreise an.

Für nächstes Jahr, und das ist mein eigenes Geschenk zu meinem runden Geburtstag, habe ich mir Finnland und das Gebiet um den Lemmenjokki ausgesucht und vorgenommen. Da ist hoffendlich dann etwas mehr in der Waschpfanne. Ob ich wieder nach Bømlo fahre? Die Frage ist schnell beantwortet. Na klar! Auf den Halden liegt mit Sicherheit noch etwas, dss nur darauf wartet von mir gefunden zu werden.

Mitreisende sind gern Willkommen. Also einfach melden.

In diesem Sinne. Ein goldiges Wochenende.

Gruß

Karsten



April im November
Freitag, 5. November 2010, 17:56
Abgelegt unter: Tagebuch

Das Wetter macht hier im Moment was es will. 10 Minuten Sonne, 10 Minuten Regen und dazwischen mal ein Mix aus beidem.

Hallo!

Wie jede Woche auch diesmal wieder Neues vom Alten. Dass die Startseite mit einem netten, flotten Spruch beginnt und ich, dank des Eintrages meiner sehr aufmerksam lesenden Cousine, Louis mit eingebaut habe, wird sicherlich schon dem ein oder anderem aufgefallen sein. Dass es unter Termine aber auch was Neues gibt, und jetzt seid ehrlich, habt ihr noch nicht gelesen. Da könnt ihr dann mal drauf schauen, wenn ihr hier fertig seid.

Einen Bericht über die vergangene Woche zu schreiben ist gar nicht so einfach. Sagen wir mal so, ich will Euch hier nicht langweilen. Was es hier für Besonderheiten gibt, habe ich glaube ich schon lang und breit erklärt. Der Alltag macht es mir schwer noch irgendwelche Höhepunkte hervorzubringen, die ich euch hier servieren kann.

Es dreht sich im Moment alles um den Kleinen. Aber wie oft er gewickelt worden ist oder wie oft er gestillt wurde, ist denke ich ein Thema, welches in einem Auswandertagebuch nichts zu suchen hat. Auch, dass unsere Nächte kurz und die Tage auf der Arbeit dadurch viel länger erscheinen, ist keine Besonderheit die Norwegentypisch ist.

Deshalb habe ich heute mal mit dem Wetter angefangen. Wie immer, wenn man nicht weiß, was man sagen oder schreiben soll. Ich versuche es trotzdem mal.

Ich habe unseren Vermieter, der ja genau über uns wohnt, besucht. Er hat gerade eine neue Stehlampe zusammengebaut. Oder sagen wir: er hat es versucht. Ui, sag ich. Was ist denn mit der Alten? Ja die wäre kaputt. Und die war gar nicht so billig. Aber Garantie ist abglaufen und daher jetzt die Neue. Ich also mit angepackt und 5 Minuten später stand das Ding. Bevor die Alte zur Seite geräumt wurde, führte er mir allerdings noch vor, dass sie auch wirklich kaputt ist. Ihr ahnt es schon. Das einzige was Kaputt war, war die Birne. Und weil ich so fleißig mitgeholfen habe, schmückt nun ein voll funktionsfähiger Deckenfluter unsere Wohnung. Dieses kleine Beispiel spiegelt nur allzu gut seinen Lebensstandart wieder. Als im Winter Schnee lag und er seinen Sohn (15 Jahre alt) nicht zur Schule bringen wollte, weil, lag ja Schnee, stand kurz vor 8 Uhr ein Taxi hier vor der Haustür. Was man als kleine Info benötigt, um den Kopf zu schütteln ist, dass ein Taxi hier gut 20 € Anfahrtgebühr nimmt.

Jaja, so sind Sie. Kein Land für so einen Schotten wie mich. Ich spar mich hier noch dumm und dämlich. Aber das reicht noch nicht. Für unser langersehntes Eigentum, meine ich. Erst wurde uns von der Bank das Blaue vom Himmel versprochen. Als ich jetzt aber was schriftlich haben wollte um auch mal ein Gebot abgeben zu können, wurde man ganz Kleinlaut. Auf Häuser und Wohnungen wird hier Geboten. Die Preise, die in den Annoncen stehen, sind  eher Richtwerte. Ich kenne keine Immobilie, die zum angegebenen Preis weggegangen ist. Je mehr Interessenten desto höher der Preis. Dieser wird einem übrigens immer aktuell per Sms geschickt. Alle fangen natürlich unter Preis an und überbieten sich oft ins Bodenlose. Wir müssen noch ein wenig warten oder sparen, oder beides um an dem Spektakel teilnehmen zu können.

Ich habe mir vorgenommen morgen nach Bømlo zu fahren. Mal sehen, ob nicht irgendjemand vor 100 Jahren ein fitzelchen Gold übersehen hat. Ich gehe also die Abraumberge etwas durchsieben. Vielleicht klappt es ja dann schneller mit dem Eigentum. Oder auch nicht. Wir werden sehen. Sollte was dabei gewesen sein, erfahrt ihr es wir immer hier. Es gab lange keinen außerplanmäßigen Bericht mehr..

In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Mal.

Gruß

Karsten





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