“Takk for oss” oder, der Letzte macht das Licht aus
Mittwoch, 12. Januar 2011, 18:43
Abgelegt unter: Tagebuch

Wir schreiben heute den 12.1.2011

Hallo zusammen!

Vor genau 2 Jahren hat diese Seite ihren Betrieb aufgenommen. Damals noch in Deutschland wohnend, verfasste ich den ersten Bericht an dem Tag, der einem mir unvergeßlichem Abend folgte. 146 weitere Berichte kamen hinzu.  Diese Seite war eine Konstante für mich. Unser Leben wurde das Eure. Ihr konntet uns durch Höhen und Tiefen begleiten. Habt einen Einblick in die ganz intimen Bereiche unseres “Mein neues Leben XXLGoddbye Deutschland- Abenteuers” bekommen. Ein Blog der sich mit Materie füllte und man durchaus etwas über Land, Leute und Gewohnheiten erfahren konnte. Ich wollte nie irgend einer Auswanderseite oder einem Forum Konkurrenz machen, lediglich ein paar Klischees bei Seite räumen und denen gehörig die Stirn bieten. Das war mein eigenes Kind und ich kann sagen das ich es, dank Euch, groß bekommen habe.

Wir werden Haugesund verlassen. Und genau so, wie wir dieses Kapitel hinter uns lassen,  so werde ich diesen Blog schließen. Lange habe ich überlegt, ob ich diese Seite weiterführen soll. Gab sie mir doch am Ende jeder Woche die Möglichkeit, Vergangenes Revue passieren zu lassen. Der Entschluss kommt oder kam nicht unüberlegt und schon gar nicht spontan. Bis jetzt war unser Leben einem Kochtopf gleich, bei dem jeder nur den Deckel heben musste und direkt ans Eingemachte kam. Jeder wusste wo wir wohnen, wie lange wir Arbeiten müssen, wer wann zu Besuch kam und was wir in der Woche so erlebt haben. Selbst am aller heiligstem Familienleben konntet ihr teilhaben. Die Krönung war sicherlich die Geburt von Louis. Ich weiß noch, wie ich Judith im Krankenhaus erzählte, dass die Eintragungen und Glückwünsche an der Pinnwand sich schier überschlagen.

Dies war einerseits von mir gewollt, andererseits legte ich mir auch eine Pflicht auf die mir teils Freude bereitete, teils aber auch lästig wurde.

Nun stehen wir wieder vor einem Neuanfang. Wohntechnisch gesehen zumindest. Wir ziehen in eine kleine Siedlung, die nicht einmal mehr einen Dorfstatus auf Grund ihrer geringen Einwohnerzahl hat. 2 Kaufläden und eine Post. Dazu noch ein Kindergarten und eine Schule. Es ist, wie mein Arbeitskollege mir mitteilte, sehr sozial aber auch sehr intim dort. Beim Kauf einer Packung  Kondome beispielsweise, wird man darauf aufmerksam gemacht, dass man doch noch 3 aus der vorigen Packung zuhause hätte.

Wir verschwinden jedoch nicht komplett von der Bildfläche. Wie, statistisch gesehen,  jeder 8. Mensch haben auch wir ein Facebook- Profil. Namen eingeben, Freundschaftsanfrage senden und auf Antwort warten. Ganz einfach. Zudem sind wir auch bei Skype zu finden.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei Euch bedanken. Danke für 2 Jahre Treue und Support. Danke für mehr als 54 000 Aufrufe dieser Seite. Wir hätten am Anfang nicht mit einer dermaßen großen Resonanz gerechnet. Um so mehr ein Grund den Hut zu ziehen. Wir hoffen, dass wir mit dieser Seite eine Anregung geben konnten. Vielleicht gar manchen als Vorbild gedient haben. Beweist Euch selbst, dass nichts unmöglich ist und glaubt verdammt nochmal an Eure Träume. Wir haben es vorgemacht. Macht es nach! Auf Eure ganz eigene Weise!

So verabschieden wir uns mit den Worten: ”vom Überall ins Nirgendwo, Geschichten enden nun mal so”. Wir sehen uns im März!  Danke und gute Nacht!

Und zum letzten Mal

 In diesem Sinne 

Gruß

Karsten



Stifte raus!
Freitag, 7. Januar 2011, 16:48
Abgelegt unter: Tagebuch

Da das neue Jahr nun schon etwas fortgeschritten ist, mag ich gleich zu Anfang ein Thema ansprechen, welches mir in den letzten Tagen und Wochen doch etwas schwer im Magen lag.

Hallo zusammen!

Auf meinen Hinweis: “Achtung, neues unter Termine” war die Anzahl an Rückmeldungen, die Eingegangen sind, doch etwas gering. Mag daran liegen, dass es noch im alten Jahr angekündigt wurde, wo alle mit Weihnachten und den Feiertagen zu tun hatten. Auch gut möglich, dass der obligatorische Kalender in der Küche noch nicht hing. Beides Argumente, die von nun an nicht mehr zählen. Um Mißverständnisse aus dem Weg zu räumen, spreche ich hier noch einmal alle an. Jeder, der diese Seite ließt, ist also aufgefordert mir eine Email zu senden, sofern denn der Wunsch nach einem Wiedersehen bestehen sollte. Wir schaffen es nicht jeden zu besuchen und würden uns auf ein Wiedersehen im etwas größerem Kreis sehr freuen. Deutlicher kann und will ich nicht werden!

So, da der Anschiß gleich zu Beginn kam, habt ihr jetzt nichts mehr zu befürchten.

Die erste Woche des neuen Jahres verging schnell. Auf der einen Seite stehen wir unter enormen Termindruck, der reichlich Überstunden mit sich bringt, auf der anderen Seite ist es hier (wie in Deutschland wohl auch) früh dunkel. Die Aktivitäten reichen von der Couch zum Wickeltisch und bis an den Kühlschrank. Hund und Vermieters Katze haben aufgehört sich um den Platz vor dem Kamin zu streiten. Sie liegen jetzt einfach zusammen da. Ja, wenn es kalt wird, rückt man schon mal ein Stück näher zusammen.

Louis wurde geimpft. Zwei Spritzen, in jeden Oberschenkel eine, haben der Mama beim Zuschauen wahrscheinlich mehr weh getan als ihm selbst. Etwas quengelig verging dann der weitere Tag. Heute ist jedoch alles wie gehabt. Er hat jetzt angefangen zu lachen. Also gelacht hat er vorher schon, jetzt ist auch Ton mit dabei. Dies hat zur Folge, dass Papa sich köstlich amüsiert. Einerseits des Kleinen wegens, andererseits der Grimassen wegen, die Mama macht um ersteres zu erreichen.

Auf der Arbeit gab es Heute eine dokumentierte Unterweisung. Heißt so viel wie, der Arbeitgeber sichert sich gegen alle Eventualfälle ab. Also immer schön Helm auf, Gefahrenbereiche abzäunen und am Schluß immer auf den Not-Aus drücken. Alle Unterschreiben und weiter bitte. Keine 10 Minuten später war alles wieder beim Alten. Die Gefahrenbereiche waren nicht abgezäunt und auch der Chef lief unter den Lasten ohne Helm munter hin und her. Sind sie nicht drollig die Nordmänner (und Frauen)?! Den Not-Aus haben die nachher bestimmt auch nicht gedrückt.

Jetzt ist Freitag. Das heißt, wie an allen anderen Freitagen auch, Bericht schreiben. Da dieser so gut wie fertig ist, steht der zweite Punkt quasi schon vor der Tür. Einkaufen. Was wären wir ohne Rituale. Und da der vermehrte Gang zum Kühlschrank nicht nur Kalorien verbrennt, sondern auch schnell zur Ebbe führt, wird jetzt also wieder geflutet. Was jedoch widerum zu einer Ebbe in der Haushaltskasse führt. Aber dafür gibt es ja die Überstunden. Wie ihr seht haben wir uns hier ziemlich den Gezeiten angepasst. Nur in einem anderem Rhythmus.

In diesem Sinne

Gruß

Karsten



Happy New Year
Samstag, 1. Januar 2011, 10:42
Abgelegt unter: Tagebuch

No more champagne and the fireworks are through…

Hallo zusammen!

Da ist es wieder Januar! Der Erste um genau zu sein. Die guten Vorsätze sind so stark wie noch nie im Kopf verankert und dieses Mal ziehen wir sie auch durch! Die überflüssigen Kilos, die neue Sportausrüstung, die doofen Glimmstengel und der etwas überhöhte Alkoholkonsum haben nun ein Ende und wir werden alle bessere Menschen. Spätestens Ende Februar dann die Einsicht, dass es wieder nichts geworden ist, aber man hat ja schließlich noch das ganze Jahr Zeit, deshalb ist es auch nicht schlimm wenn man ein wenig sündigt. Wie schnell man wieder in alte Gewohnheiten verfällt muss ich hier nicht erwähnen. Ebensowenig meine guten Vorsätze. Ich denke man sollte sie für sich behalten. Dann ist man höchstens seinem Spiegelbild Rechenschaft schuldig und das musste ja schon so einiges einstecken!

Wie feiern denn die Norweger Silvester? Ich würde fast behaupten, nicht anders als die Deutschen auch. Nur ohne Dinner for one. Es wird eingeladen, getrunken und geböllert. Ob und wie viel geknallt wird, darüber fehlen mir jegliche Anhaltspunkte und ich enthalte mich meiner Meinung. Einen Unterschied gibt es noch. Es ist alles teurer hier. Die Preise für Raketen und dergleichen sind hier mindestens so hoch wie der Alkoholpreis. Dennoch wird von beidem reichlich konsumiert. Also Raketen rauf und Alkohol runter. Wobei letzterer in nicht wenigen Fällen auch rauf kommt. Da ist aber die Frage wie viel vorher runter gegangen ist.

Was haben wir gemacht? Wir haben uns Besuch eingeladen. Wollten damit verhindern, dass sich das Eklat von letztem Jahr wiederholt, wo wir Silvester am 1. Januar gefeiert haben, weil wir uns am 31.12 dermaßen zerstritten hatten. Das war dieses Jahr anders. Ein netter Abend in gemütlicher Runde. Ein wenig Wein, ein wenig Bier, viel zu Essen und geböllert und geknallt wurde auch nicht. Dafür fanden wir, es sei eine gute Idee um Mitternacht auf der Karmsundbrücke zu stehen und uns Haugesund sowie einen Teil von Karmøy bei Nacht und mit Feuerwerk anzuschauen. Boen bis 20 m/s  also fast  Sturm, hielten uns jedoch davon ab die Brücke auch nur zu einem Drittel zu besteigen. Zudem war der Schaum vom Sekt diesmal kein Problem, der wurde sofort weggeweht. Und so standen wir also gute 15 Minuten, weil man ja so früh losgehen musste, vor der Mautstation und haben uns über jedes Auto gefreut, was vorbeigefahren ist und entweder ein Licht oder auch keins bekommen hat. Dann kurz vor Zwölf, wagemutig ein Stück die Brücke rauf, ein wenig Feuerwek geguckt und schnell wieder runter. Erwähnte ich, dass wir Plusgrade haben und der ganze festgefahrene Schnee auf Grund von Regen zu einer Eisbahn geworden ist? Wir sind also sprichwörtlich ins Neue Jahr gerutscht.

Ein Winzling, dessen zwei große Augen mich gerade völlig faszieniert von der Seite anstarren, setzt meinem Schreibfluß ein jähes Ende. Die guten Vorsätze halt!

In diesem Sinne

Gruß

Karsten





<br>