God Jul!
Freitag, 24. Dezember 2010, 13:00
Abgelegt unter: Tagebuch

Endlich, jetzt noch die Feiertage und Weihnachten ist rum. 11 Monate ohne Last Christmas im Radio! 

Hallo zusammen!

Wie die Überschrift schon sagt kommt von uns auch ein weihnachtlicher Gruß aus dem hohen Norden. Wie wir die Feiertage angehen lassen? Heute gibts Kartoffelsalat mit Würstchen, danach etwas Käse und zum Abschluss Lachs. Morgen dann Schinkenbraten und Svenja, die einen Vogel mitbringt. So beschaulich und schlicht feiern wir hier oben Weihnachten.

Es ist weiß draußen. In der Nacht kam noch mal gut Neuschnee so dass wir jetzt bei gut 40 cm sein dürften. Ein ziemlich unangenehmer Wind hat mein Vorhaben, einen Dorsch für den 2.Feiertag zu fangen, scheitern lassen. Ich wollte es eigentlich zur Tradition werden lassen, jeden Vormittag des 24.12 mit angeln zu verbringen. Nur leider habe ich meine Rechnung ohne das Wetter gemacht. Und so sitze ich nun hier und schreibe, während andere noch durch die Stadt hetzen oder die durch die Stadt hetzenden bedienen.

In der letzten Woche durfte ich ein ganz merkwürdiges Phänomen feststellen. Mutterinstinkt. Am eigenen Leib erfahren ist das schon etwas beängstigend. Aber von vorne. Judith hatte einen Augenarzttermin. Zu diesem brachte ich sie hin und nahm Louis mit. Weil, was soll der Kleine beim Arzt? Kann lieber Papas stolzgeschwellte Brust noch etwas hervorheben und sich durch die Stadt tragen lassen. Dachte ich,tat ich auch. Ich trug ihn durch die Stadt. Hatte da noch diverse Ämtergänge zu erledigen. Post, Versicherung und Bank. Schon bei meinem Weg durch die verschneite Fußgängerzone, bei dem man anderen Vätern mit Kinderwagen oder Tragesack ein anerkennendes Nicken zuwirft, weil wir gehören ja jetzt einer ganz speziellen Gruppe an, hatte ich immer ein ungutes Gefühl im Nacken. Besonders wenn man an Frauen vorbeiging, erntete man eher  fragende oder skeptische Blicke. Der und ein kleines Kind? Sieht gar nicht so aus als wenn der jetzt damit klarkommt wenn der Kleine anfängt zu schreien, geschweige denn die Windel voll hat. Was wohl mit der Mutter ist? Warum ist die nicht dabei? Ist das überhaupt seins?

Als ich in der Bank war, den Kleinen abstellte und mich der guten Frau am anderen Ende des Schreibtisches zuwandte, dachte sich Louis das es doch sehr doof ist wenn Papa einen nicht trägt und schüttelt und so. Also begann er aus vollem Hals zu schreien. An einen Schnuller den ich aus dem Ärmel gezaubert habe, war er nicht im geringstem Interessiert. Als ich mich wieder der guten Frau zuwandt, meine Fragen im Eiltempo loswurde und mich wieder zu Louis wandte, waren da gleich 3 (in Worten”DREI”) bankangestellte Damen die sich um seinen Maxi-cosi scherten und ihn betüddelten. Was er denn hat? Bestimmt Hunger! Und noch so klein. Ob das nicht zu kalt ist mit so einem Winzling. Nee meine Damen ganz anders. Langeweile. Wenn Papa ihn jetzt hoch nimmt ist er noch nicht ganz an der Tür und es ist Ruhe im Schiff oder Maxi.cosi, ganz wie man will. Gesagt getan. Drei Damen hinter mir herstarrend verließ ich die Bank. Bei der Versicherung das genau gleiche Spiel.  Nur waren es hier lediglich 2 Damen. Dafür aber die gleichen Argumente. Das schlimme war, das ich nach der Versicherung wieder in die Bank musste. Zum Glück kam, als ich diese betrat, Judiths Anruf, in dem sie mir mitteilte das sie beim Arzt fertig sei und ich bitte in der Bank auf sie warten soll. Unser Männerausflug in die Stadt war also beendet. Danach gingen wir noch in diverse Geschäfte. Selbes Spiel. Sobald er irgendwo in Ruhe stand kam der Protest. Jetzt war aber die Mama dabei und kein Schwein interessierte es mehr warum der Kleine denn jetzt grade schreit. Wenn die Mama dabei ist, kann es sich um nichts schlimmes handeln. Das nächste Mal liebe Damen wickel ich den Kleinen auf einem Eurer Schreibtische, verlaßt Euch drauf.

Mir würde es im Suff nicht einfallen ein anderes Kind in begleitung eines seiner Elternteile derart zu bemuttern, wie es diese Frauen getan haben. Ein Blick und der ein oder andere Gedanke. Handgreflich würde ich nicht werden. Da kann man mal sehen was so ein bischen Babygequäke bei Frauen mittleren Alters ausmacht. Sollte ich eine CD aufnehmen? Der Markt ist sicherlich da, jetzt wo die Zielgruppe gefunden ist.

Damit aber noch nicht genug. Abends waren wir noch einkaufen. Da Judith es so eilig hatte und mich regelrecht zum Wahnsinn getrieben hat, stellte ich an der Kasse, den kleinen auf dem Arm, fest, dass mein Portomonaie auf dem Küchentisch lag. Ich bat der guten Frau an der Kasse an, den Kleinen als Pfand dazulassen, während ich mit den Sachen schon mal nach Hause fahre. Könnte ne neue Windel gebrauchen, wollte ich noch als Bonbon oben draufsetzen. Dazu kam ich aber gar nicht. Ich schaute in ein hoch erfreutes, strahlendes Gesicht der Kassiererin. 

Kopfschüttelnd verließ ich den Laden, in dem Judith jetzt schon mal die Sachen einpackte und dann auf mich wartete. Mit dem Kleinen!

In diesem Sinne

Gruß

Karsten









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