Minus 9,3°
Samstag, 27. November 2010, 16:02
Abgelegt unter: Tagebuch

Das war die Tiefsttemperatur vor unserem Wohnzimmerfenster letzte Nacht.

Hallo Zusammen!

Irgendwie scheint sich der Samstag in Hinsicht auf neue Berichte, einzubürgern. Nach einem für seine Verhältnisse sehr entspanntem Freitag, ging die Ruhe nahtlos in den Samstag über. Diese fand jedoch ein jähes Ende als ich grade auf dem Weg zum angeln war. Ich traf unseren Vermieter. Ob ich denn heute Abend arbeiten könnte?! Moment, muss ich mit Judith absprechen. Noch auf unserer Straße, denn weiter kam ich nicht, gedreht und schnell nachgefragt. Jaja, kein Problem. So viel zum freien Samstag. Morgen geht es ja wie gewohnt im Restaurant weiter. Die Woche endet also bei mir am Freitagnachmittag und beginnt am Sonntagmorgen wieder. Ausnahmen bestätigen die Regel. Wenn ihr mich fragt, hab ich jetzt schon kein Bock mehr auf Weihnachten. Aber es ist jedes Jahr das Selbe. Nach Weihnachten ist dann etwas Ruhe. Dann will keiner mehr Essen und man könnte das Restaurant auch getrost zu machen. Dann gibt es wieder Wochenenden und hoffentlich wieder Eisangeln.

Im Moment stehen die Chancen ganz gut. Alle Seen und einige Fjordenden haben schon bis zu 10 cm Eis drauf. Aber natürlich ist es noch alles andere als sicher. Vor 25 cm geh ich da nicht drauf. Da kann dann auch mal eine Strömung 10 cm Eisdeckenunterschied verursachen. Es ist besser ein kleines Polster zu haben!

Ich habe gelesen das in Deutschland im gerade ”Die Säulen der Erde” im Fernseh laufen. Da ich mit Judith im Moment dabei bin das Buch zu lesen (ich lese, Judith hört zu) wären wir natürlich auch an dem Film interessiert. Sollte es also einen Computerfreak unter Euch geben, der es hinbekommt alles aufzunehmen, auf einen USB Stick zieht und mir diesen dann auch noch zuschicken könnte, würde ich dieses reichlich belohnen wollen. Stick kommt natürlich auf dem Postweg zurück!

Im März ist Deutschlandbesuch angesagt. Wobei wir gleich beim nächsten Thema wären. Unserem Aufruf sind doch eine Menge Leute gefolgt und ob ihr es glaubt oder nicht, wir sind zwar eine Woche da, schaffen es aber trotzdem nicht alle zu besuchen. Also kehren wir den Spieß doch einfach um. Ich könnte mir vorstellen ein Treffen zu organisieren. Wir mieten eine kleine Lokalität an. Alle die kommen wollen, sollten peinlich genau darauf achten das ich ihre Emailadresse habe. Vorsichtshalber mir noch einmal zuschicken. Meine Emailadresse findet ihr im Impressum. Je nachdem wie viele sich bis zu einem Datum x melden, können wir dann auch gucken wo und wie wir das veranstalten. Eine offizielle Einladung mit Ort und Zeit wird es auf dieser Seite nicht geben. So könnte ich mir vorstellen ein kleines Behnk.info Familien und Freundefest hinzubekommen. Also melden, melden, melden!!!

Neuigkeiten aus Norwegen? Hmmm, das frage ich mich auch jedesmal. Gibt es Neuigkeiten? Ich habe etwas im Archiv gewühlt. Letztes Jahr um diese Zeit hat es hier nicht geregnet, es hat gegossen. Ganz anders dieses Jahr. Das letzte Mal Regen ist schon über 2 Wochen her. Wäre auch fatal bei diesen Temperaturen! Wir haben einen Kinderwagen, einen Termin in Stavanger für Louis und seinen Reisepass und Judith hat die Haare ab. Also nicht ganz, sondern nur geschätzte 20-25 cm kürzer. Wir haben am Donnerstag versucht am Sund zu angeln. Aber kälte und früh einsetzende Dunkelheit machten uns einen Strich durch die Rechnung. Ich hatte lediglich einen Biss den ich dann auch noch sträflig verwertet habe. Also kein Fisch.

Louis war wie jede Woche bei der Gesundheitsstation zum Mesen und Wiegen. 5700 Gramm bei 61 cm. Die Kolliken werden langsam weniger und der Schlaf etwas besser, wobei gut noch weit entfernt liegt.

Auf der Arbeit liegen im Moment keine Überstunden an und nächstes Wochenende ist Julebord (Weihnachtsfeier). Also der Termin an dem alle sich hemmungslos zulaufen lassen, sich dermaßen daneben benehmen und Montag damit prahlen das sie immer noch Kopfschmerzen vom Saufen haben. Aber cool war es auf jeden Fall auch wenn man nur einen Bruchteil bewußt miterlebt hat und der Großteil nur noch Grauzone ist. Und da wir dieses Jahr so fleißig und der Chef deshalb so gut gelaunt war, gibt es ein Wochenende Bergen mit Hotel für die gesamte Belegschaft samt Partner. Ich überlege ob ich nicht einfach mal mitmache. Also zusaufen und daneben benehmen. Ich will doch keine Gelegenheit auslassen mich hier voll zu intergrieren. Ein böser Blick von links, sie liest mit, lässt mich mein Vorhaben noch mal überdenken. Daher ist nicht klar ob es nächstes Wochenende einen Bericht geben wird. Also wegen der Weihnachtsfeier meine ich.

Seid also gespannt und nicht vergessen, melden, melden, melden!

In diesem Sinne

Gruß

Karsten



Trocken gelegt
Samstag, 20. November 2010, 20:16
Abgelegt unter: Tagebuch

Winterzeit ist keine Angelzeit. Das musste ich gestern feststellen, als ich lieber am Wasser war und “versuchte” Fische zu fangen, anstatt hier ein paar Weisheiten in den Orbit zu tippen.

Hallo Zusammen!

Fisch gab es natürlich nicht. Sonst hätte ich das versucht nicht in Klammern gesetzt. Vereinzelt kleine Störenfriede, die ihren Weg aber zurück ins kühle Nass gefunden haben. Kühl ist der falsche Ausdruck. Es war schweinekalt. Und ich stand nur am Rand, nur so als Info.

Heute war dann Boot trocken legen angesagt. Dass der Winter hier mit bösen Überraschungen aufwarten kann, haben wir letztes Jahr gemerkt. Da wäre an Bootfahren gar nicht zu denken gewesen. Ich sage Euch, jetzt, da die Holz und Salzvorräte überall knapp werden, ist Ruhe angesagt. Dieser Winter wird bei weitem nicht das Ausmaß des letzten erreichen. Alle haben ihn zwar noch gut in Erinnerung, daher auch die Hamsterkäufe. Aber ich habe das Boot aus dem Wasser und in unseren Garten verfrachtet. Der Winter wird nicht schlimm. Letztes Jahr habe ich noch überlegt mir Langlaufski zuzulegen. Ich sage Euch, hätte ich diese gekauft, wäre kurz danach auch schon Schluß mit der weißen Herrlichkeit gewesen. Das ist immer so. Isn´t it ironic?

Die Sache mit dem Boot ging schneller und vorallem leichter, als ich mir gedacht habe. Nur der Trailer war wieder das Problem. Aber auch das haben wir diesmal gelöst bekommen. Einfach mal doof dort nachfragen, wo sie solche Teile verkaufen. Da kann man auch oft welche leihen.Gar nicht so schwer. Jetzt kommt auf jeden Fall ne Plane drüber und dann kann kommen, was sicher nicht kommen wird.

Ein Auswandertagebuch lebt ja bekanntlich von Sachen, die anders sind als im Heimatland. Also z.B., dass das Bier hier teurer ist und zudem noch nicht mal mehr schmeckt. Oder dass dieses Volk hier weder Ahnung von Fleisch, geschweige denn von Backwaren hat. Aber Bürokratie - das können die hier auch. Also eigentlich können sie es nicht und dafür sind dann wieder die Deutschen zuständig. Deshalb habe ich auch überlegt, ob ich das hier schreiben soll. Ich tue es einfach.

Wir brauchen einen Pass. Also nicht wir, sondern Louis. Dazu brauchen wir zig Formulare und Zettel, einige davon müssen beglaubigt sein und  dürfen zur Zeit der Antragstellung nicht älter als 3 Monate sein. Haben wir dieses Wirrwarr dann endlich bewältigt, müssen wir zum Abzweig der Botschaft nach Stavanger. Nicht einer von uns, weil das wäre ja einfach, nein, beide. Mit Louis. Also alle drei. Die Botschaft hat aber nur bis 11 Uhr geöffnet. Jetzt stell sich mal einer vor wir müssten nach Oslo. Da kommen wir für den Kinderausweis gerade noch drum herum. Dieses Vergnügen steht uns dann bevor, wenn wir mal einen neuen Reisepass brauchen. Das geht nur persönlich in der Hauptstadt. Da kann man dann erst mal Urlaub nehmen, Flug und Hotel buchen, womöglich noch einen Leihwagen. Und alles nur für einen Pass. Sobald es uns möglich ist die Staatsbürgerschaft anzunehmen, werden wir dieses tun.

Ansonsten geht es uns allen gut. Louis war bei der Kinderärztin. Alles genau nach Plan. Er wiegt 5500 gramm bei 60 cm Körperlänge. Die Bauchschmerzen werden langsam weniger. Dies darf man natürlich nicht aussprechen. Deshalb schreibe ich es auch nur.

Bis jetzt sind schon ein paar Anfragen wegen unseres Deutschlandbesuches gekommen. Wir haben aber noch wenige Termine frei. Einfach melden.

In diesem Sinne

Gruß

Karsten



Goldfieber
Samstag, 13. November 2010, 21:42
Abgelegt unter: Tagebuch

Oder auch Arbeit ohne Ende. Ganz wie man will!

Hallo alle miteinander!

Ich weiß, es ist nicht Freitag, trotzdem bekommt ihr einen Bericht zum Wochenende serviert.

Und wo ist überhaupt die Pinnwand. Keine Angst, die hat keiner geklaut. Wir hatten nur ein paar Probleme mit Spams die sich dort eingeschlichen und gleich noch ein paar nette Viren da gelassen haben. Deshalb erst mal außer Betrieb, bis wir das Problem in den Griff bekommen.

Das Thema “Goldsuche” scheint ja doch den ein oder anderen sehr interessiert zu haben. Hier werde ich eher von meinen Arbeitskollegen ausgelacht, wenn ich Ihnen erzähle, dass ich entweder mit meinem Metallsucher unterwegs oder zum Goldsuchen war. Und da ich eins meiner neuen Hobbys etwas anpreisen möchte, bekommt ihr einen kurzen Bericht zur Goldsuche.

Ich habe mir auf der Karte (samt Luftbildern) angeschaut, wie es in der näheren Umgebung um die Goldmienen aussieht. An den Mienen selbst ist das Suchen verboten. Privatgrundstück und man braucht die Genehmigung des Eigentümers, den ich nach gefühlten 1000 Anrufen immer noch nicht erreicht habe. Hatte nach kleinen Bächen und dergleichen ausschau gehalten. Fand sogar einen, der gar nicht so weit entfernt lag. Also Waschrinne und Pfannen eingepackt und los. Mit der Fähre über den Bømlafjord und bei den Goldmienen rechts ab.

Rucksack auf und erst mal ein paar Kilometer durch die Pampa gelatscht. Also eigentlich war es nicht sooo lang, wenn man die Luftlinie betrachtet. Aber über Stock und Stein, und das meine ich so, wie ich es sage. Und tatsächlich, ich fand den Bach den ich auf den Luftbildern gesehen habe und der auf der Karte als solcher ausgewiesen war. Dachte mir die ganze Zeit, dass, wenn goldhaltiges Gestein da ist, sicher auch kleinste Nuggets im Bach zu finden sind. Die Erkenntnis am Bach war mehr als niederschmetternd. Vorwiegend faustgroße Steine. Kaum Kies, geschweige denn Sand. Nein, das konnte jetzt nun wirklich nicht sein. Dafür bin ich nicht so weit gefahren. Also weiter am Bachlauf lang, der nach oben hin immer schmaler wurde und zudem immer weniger Wasser mit sich führte. Eine kleine Sandbank ließ mich trotz allem mein Geschirr nicht unnötig mitgeschleppt haben. Damm gebaut, Waschrinne ans laufen gebracht und gehofft. Nichts. Gar nichts. Etwas entmutigt ging es dann nach über einer Stunde wieder in Richtung Auto. Und jetzt? Goldmienen angucken. Die Stollen sind mehr als 100 Jahre alt. Die meisten voll Wasser, andere wiederum sind abgesperrt. Aber die Quarzhügel sind noch da. Egal, wie gründlich man vorgeht, übersehen wird immer etwas. Dachte ich und begab mich auf die Knie um zu suchen, was andere übersehen haben könnten. Ein Versuch war es ja wert. Wenn ich schon kein Glück am Bach hatte…. Auch hier gab ich irgendwann auf. Ich drehte 10 000e kleiner  und großer Quarzbrocken hin und her. Fand Pyrit und Kupfer und Gabbro, aber nirgends war auch nur ein Stecknadelköpfchen goldglänzendes Metall drauf. Irgendwann sah alles gleich aus und ich sah ein das Goldsuche sehr viel mit dem Angeln am Kanal in Deutschland zu tun hat. Man braucht sehr viel Geduld. Und Zeit. Beides war an diesem Tag nicht so reichlich vorhanden und da ich ja zudem auch noch Familienvater bin, trat ich am frühen Nachmittag wieder die Heimreise an.

Für nächstes Jahr, und das ist mein eigenes Geschenk zu meinem runden Geburtstag, habe ich mir Finnland und das Gebiet um den Lemmenjokki ausgesucht und vorgenommen. Da ist hoffendlich dann etwas mehr in der Waschpfanne. Ob ich wieder nach Bømlo fahre? Die Frage ist schnell beantwortet. Na klar! Auf den Halden liegt mit Sicherheit noch etwas, dss nur darauf wartet von mir gefunden zu werden.

Mitreisende sind gern Willkommen. Also einfach melden.

In diesem Sinne. Ein goldiges Wochenende.

Gruß

Karsten



April im November
Freitag, 5. November 2010, 17:56
Abgelegt unter: Tagebuch

Das Wetter macht hier im Moment was es will. 10 Minuten Sonne, 10 Minuten Regen und dazwischen mal ein Mix aus beidem.

Hallo!

Wie jede Woche auch diesmal wieder Neues vom Alten. Dass die Startseite mit einem netten, flotten Spruch beginnt und ich, dank des Eintrages meiner sehr aufmerksam lesenden Cousine, Louis mit eingebaut habe, wird sicherlich schon dem ein oder anderem aufgefallen sein. Dass es unter Termine aber auch was Neues gibt, und jetzt seid ehrlich, habt ihr noch nicht gelesen. Da könnt ihr dann mal drauf schauen, wenn ihr hier fertig seid.

Einen Bericht über die vergangene Woche zu schreiben ist gar nicht so einfach. Sagen wir mal so, ich will Euch hier nicht langweilen. Was es hier für Besonderheiten gibt, habe ich glaube ich schon lang und breit erklärt. Der Alltag macht es mir schwer noch irgendwelche Höhepunkte hervorzubringen, die ich euch hier servieren kann.

Es dreht sich im Moment alles um den Kleinen. Aber wie oft er gewickelt worden ist oder wie oft er gestillt wurde, ist denke ich ein Thema, welches in einem Auswandertagebuch nichts zu suchen hat. Auch, dass unsere Nächte kurz und die Tage auf der Arbeit dadurch viel länger erscheinen, ist keine Besonderheit die Norwegentypisch ist.

Deshalb habe ich heute mal mit dem Wetter angefangen. Wie immer, wenn man nicht weiß, was man sagen oder schreiben soll. Ich versuche es trotzdem mal.

Ich habe unseren Vermieter, der ja genau über uns wohnt, besucht. Er hat gerade eine neue Stehlampe zusammengebaut. Oder sagen wir: er hat es versucht. Ui, sag ich. Was ist denn mit der Alten? Ja die wäre kaputt. Und die war gar nicht so billig. Aber Garantie ist abglaufen und daher jetzt die Neue. Ich also mit angepackt und 5 Minuten später stand das Ding. Bevor die Alte zur Seite geräumt wurde, führte er mir allerdings noch vor, dass sie auch wirklich kaputt ist. Ihr ahnt es schon. Das einzige was Kaputt war, war die Birne. Und weil ich so fleißig mitgeholfen habe, schmückt nun ein voll funktionsfähiger Deckenfluter unsere Wohnung. Dieses kleine Beispiel spiegelt nur allzu gut seinen Lebensstandart wieder. Als im Winter Schnee lag und er seinen Sohn (15 Jahre alt) nicht zur Schule bringen wollte, weil, lag ja Schnee, stand kurz vor 8 Uhr ein Taxi hier vor der Haustür. Was man als kleine Info benötigt, um den Kopf zu schütteln ist, dass ein Taxi hier gut 20 € Anfahrtgebühr nimmt.

Jaja, so sind Sie. Kein Land für so einen Schotten wie mich. Ich spar mich hier noch dumm und dämlich. Aber das reicht noch nicht. Für unser langersehntes Eigentum, meine ich. Erst wurde uns von der Bank das Blaue vom Himmel versprochen. Als ich jetzt aber was schriftlich haben wollte um auch mal ein Gebot abgeben zu können, wurde man ganz Kleinlaut. Auf Häuser und Wohnungen wird hier Geboten. Die Preise, die in den Annoncen stehen, sind  eher Richtwerte. Ich kenne keine Immobilie, die zum angegebenen Preis weggegangen ist. Je mehr Interessenten desto höher der Preis. Dieser wird einem übrigens immer aktuell per Sms geschickt. Alle fangen natürlich unter Preis an und überbieten sich oft ins Bodenlose. Wir müssen noch ein wenig warten oder sparen, oder beides um an dem Spektakel teilnehmen zu können.

Ich habe mir vorgenommen morgen nach Bømlo zu fahren. Mal sehen, ob nicht irgendjemand vor 100 Jahren ein fitzelchen Gold übersehen hat. Ich gehe also die Abraumberge etwas durchsieben. Vielleicht klappt es ja dann schneller mit dem Eigentum. Oder auch nicht. Wir werden sehen. Sollte was dabei gewesen sein, erfahrt ihr es wir immer hier. Es gab lange keinen außerplanmäßigen Bericht mehr..

In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Mal.

Gruß

Karsten





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