Abgelegt unter: Tagebuch
Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe. Ich habe mir gedacht, dass ich diesmal ein Thema anschneiden werde, das wenig bekannt, gern verschwiegen, aber so von der EU gewollt ist. Und da ich ein ziemlich breites Publikum anspreche, nutze ich hier die Gelegenheit um auf einen Mißstand aufmerksam zu machen, der mir schwer im Magen liegt. Einer der Gründe, warum Norwegen nicht in der EU ist und, wenn es nach mir geht, auch bitte nicht beitritt, solange diese Praktik angewandt und derartige Politik betrieben wird.
Es geht um das Quotenfischen in der gesamten Ostsee und in großen Teilen der Nordsee. Dass die Fischbestände rückläufig sind, ist Fakt. Wo noch in den 90er Jahren Fischtrawler mit EU- Mitteln gefördet wurden, werden nun Millionen ausgegeben um sie wieder zu entsorgen. Ebenfalls EU-Mittel der Steuerzahler. Eine Abwrackprämie, wenn man so will. Diejenigen, die noch in Betrieb sind (und das sind nicht wenige) haben eine festgelegte Quote. Ist diese Quote für eine bestimmte Fischart erfüllt, darf kein Kilo der jeweiligen Art mehr in den Hafen geliefert werden. Dies führt dazu, dass ein Fischer, der z.B. noch 2 Tonnen Dorsch fischen darf, beim letzten Einholen des Netzes jedoch 10 Tonnen oder mehr hat, den Rest wieder ins Wasser werfen muss. Ist doch toll wird sich jetzt derjenige denken, der nicht weiß, dass es von diesen 8 Tonnen (oder mehr) nicht ein Fisch schaffen wird zu überleben. Grund hierfür ist der Druckausgleich, den die Tiere so schnell nicht schaffen. Ähnlich wie ein Taucher, der zu schnell auftaucht. Zudem kommt, dass das Mindestmaß auf 38 cm festgelegt ist. Also jeder Fisch der unter 38 cm mißt, geht so wie er ist, wieder über Bord und verrottet am Meeresboden.
Hat ein Fischer nun seine Dorschqoute erfüllt, seine Herings- oder Plattfischqoute jedoch noch nicht, fischt er natürlich weiter. Es geht schließlich um seine Existenz. Ich muss hier nicht erwähnen, was mit jeder anderen Fischart passiert, die er während seines Fischens an Bord zieht. Was mich dabei am meisten entsetzt ist, dass ”dumping” ein festgeschriebenes Gesetz der EU ist. Hält sich ein Fischer nicht daran, hat er mit empfindlichen Geldbußen bis hin zum Entzug der Lizens zu rechnen.
Ein weiteres Beispiel dieser Paradoxität ist Folgendes: Ein Fischer aus den baltischen Ländern zum Beispiel, der seinen Fang mit an Land bringt und verkauft, weil er sich diesem Unsinn wiedersetzt und sein Überleben von seinem Fang abhängt, muss Strafe zahlen. Strafe zahlen, weil die Fische auf dem Teller landen. Ein deutscher Fischtrawler hat aber das Recht, oder besser gesagt die Pflicht, hunderte von Tonnen im Jahr über Bord zu werfen?! Haben diese Fische also nur das Recht am Meeresboden zu verrotten anstatt sich zu vermehren oder hungrige Mägen zu füllen? Beides Alternativen die mir weitaus besser gefallen würden!
Hier mal ein Link den man sich ansehen sollte, damit man versteht, wovon ich spreche.<object width=”480″ height=”385″><param name=”movie” value=”http://www.youtube.com/v/7i5nX4-bScI&hl=de_DE&fs=1&”></param><param
Aus meiner Tätigkeit in der Fischindustrie weiß ich, dass es sich um ein eher kleines Fischerboot handelt. Also sind die Mengen die hier verworfen werden eher gering im Gegensatz zu größeren Booten.
An dieser Stelle möchte ich darauf aufmerksam machen, dass man bitte nicht auf die Fischer schimpft. Diese handeln, wie es Ihnen das Gesetz vorschreibt. Die Schuldigen sitzen in schwarzen Anzügen in Brüssel an Ihren Schreibtischen und sind in den Vorständen einiger großer Fischim - und Exportunternehmen und halten sich die Preise aufrecht.
Das Problem ist noch weitreichender als man glauben mag. Wenn ich jetzt erwähne, dass der Artenschwund in Afrikas Wildnis hier seine Wurzeln hat, werden mich viele für gänzlich verrückt halten. Es ist jedoch so, dass die EU Qouten vor der afrikanischen Küste aufkauft, um Ihren Fischern ein Einkommen zu sichern. Diese fahren nun mit ihren Trawlern an die Küste Afrikas und zerstören dort nicht nur den Meeresboden und die dort heimischen Fischbestände, sondern auch die gesamte dort ansässige Fischindustrie. Dies führt wiederum dazu, dass die Bewohner sich nach anderen Lebensmitteln umschauen müssen. Wenn also nicht mehr aus dem Wasser, dann eben auf dem Land. Wilderei und Artensterben sind die Begleiterscheinungen dieser Politik. Alles von der EU gefördert und seinen Steuerzahlern mitfinanziert.
In Norwegen ist “dumping” verboten. Was nicht heißen soll, dass es hier nicht auch schwarze Schafe gibt. Gesetzlich ist es jedoch untersagt. Hier ist es genau andersherum. Wird ein Fischer erwischt der seinen Fang wieder über Bord kippt, drohen ihm Strafen oder der Lizenzentzug.
Die Mengen, die Angeltouristen aus dem Wasser holen, tauchen in keiner Statistik auf. Das tun die Fische, die wieder über Bord gehen aber auch nicht. Der Unterschied ist jedoch der, dass von den Fischen der Touristen ein weitaus größerer Teil verzehrt wird und nicht auf dem Meeresboden verrottet. Ich stelle mir die Frage, ob der gesamte Angeltourismus auch nur einen Bruchteil dessen aus dem Wasser holt, was jährlich wieder über Fischkutters Bordwand geht. Ich beende hier meinen Vortrag und lasse jedem ein wenig Zeit, eben Gelesenes zu verdauen. Harte Kost - ich weiß!
In diesem Sinne wünsche ich Euch ein nicht ganz so nachdenkliches Wochenende.
Ich freue mich auf zahlreiche Rückmeldungen und verbleibe mit den üblichen Floskeln!
Gruß
Karsten