Besuch hat sich angekündigt…
Freitag, 26. März 2010, 17:15
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…und das heißt für uns “Aufräumen”! Ist es nicht immer so? Immer wenn Besuch kommt, egal ob Geburtstag oder zum Fußballgucken, muss aufgeräumt werden. Soll doch jeder sehen, wie fein die Bude glänzt und auch noch glauben, dass es immer so aussieht. Eigentlich ist es ja Verarschung. In beiderlei Hinsicht. Der Besuch wird geblendet, man selbst macht sich was vor und wenn man ehrlich ist, geht das eigentliche Aufräumen und Putzen erst los, wenn der Besuch weg ist. Weil, der hat im Stehen gepinkelt, der hat die Schuhe angelassen und natürlich wäre es vermessen den Besuch zu bitten sein Glas doch in die Spülmaschiene zu räumen und anschließend noch zu saugen.

So war es vorher zumindest immer. Jetzt kommen Besuche meist über mehrere Tage und bleiben sogar über Nacht. Und weil ich keine Lust habe aufzuräumen, sitze ich hier und tippe, während der Staubwedel meiner standesamtlich angetrauten Lebenspartnerin Überstunden machen muss. Das faule Ding kann sich ruhig auch mal bewegen. Also den Staubwedel meine ich natürlich.

Ja die letzte Woche hat es in sich gehabt. Wir haben ein Boot gekauft. Samstag nach Stavanger hin und angeschaut, Sonntag mit Pickup und geliehenem Bootshänger abgeholt. Bar bezahlt und noch ne Flasche Wein oben drauf gepackt. Dazu muss ich sagen, dass die ganze Geschichte mehr als knifflig war. Es begann mit dem Boot. Ich rief dort an und der gute Mann sagte mir, dass sich schon jemand gemeldet hat und das Boot nächste Woche anschaut bzw. abholt. OK, sagte ich und damit war die Sache für mich gegessen. Judith sah das aber ganz anders. Wer zuerst kommt und das Boot kauft, der kriegt es eben. Sie rief also noch einmal an und überzeugte den Verkäufer, dass es ja gar nicht so sicher wäre, dass der Andere das Boot auch wirklich nimmt. Lange Rede, kurzer Sinn, wir konnten vorbeikommen. Bei Judith war es Liebe auf den ersten Blick, ich brauchte etwas. Da das Boot auf einem Hänger war, musste es zum Transport ja noch umgeladen werden. Ok sagten wir, beim Umladen eine kleine Tour, um zu sehen, dass und vor allem wie der Motor funktioniert und das Boot ist gekauft. Jetzt ging der Spaß los. Es war Samstag abend 19.30 Uhr. Wo einen Hänger her bekommen? Schnell den Chef angesimst wegen dem Pickup. Da gab es grünes Licht. Also wieder nach Haugesund: 21.30 Uhr, weil wir die Fähre nicht mitbekommen haben und warten mussten. Es gibt in ganz Haugesund eine einzige Tankstelle, die Bootshänger verleiht. Dort angehalten. Nee tut uns leid, der ist kaputt. Zum Vermieter hoch und dort versucht irgendetwas zu erreichen. Dieser hatte gut einen im Schuh es war mittlerweile 22.30Uhr. Ließ sich aber nicht davon abhalten wild in der Gegend herumzutelefonieren. Nichts. Sonntag morgen dann alle Tankstellen im Umkreis von 20 Kilometer angefahren. Nichts! Hier sollte ich erwähnen, dass der Vermiter auch beim Bootsverein anrief , wo unser Boot liegen sollte und quasi schon einen Platz sicher hat. Nee, auch da hätte man keinen Hänger. Das wollte ich genau wissen! Letzter Versuch. Ich sagte zu Judith, dass ich es mir nicht vorstellen kann, dass ein Bootsverein keinen Hänger hat. Hingefahren, gefragt, Bingo. Ihr braucht einen Hänger? Na wenn das das einzige Problem ist… Da Bitteschön. Pickup geholt, nach Stavanger hin, der Rest ist bekannt.

Abends dann wieder am Bootsverein. “So, hier ist das Boot, welcher Platz ist meiner?” Ich blickte in einen Haufen fragender Gesichter. “Ähm, wieso? Platz?!”  Haha sagte ich, lasst mal sein Jungs, nee ehrlich, war ein langer Tag gestern und heute auch! Ich will das Ding jetzt nur noch ins Wasser legen und dann ist Feierabend.” Wer denn gesagt hätte, dass wir einen Platz bekommen?! “Ähm, Richard”. Ich kannte nur seinen Vornamen und hatte die Handynummer. Schallendes Gelächter. Haha Richard! Hahahahaha!!! Jetzt mal im Ernst mein Junge, sagte einer, der Richard hat das hier ganz bestimmt nicht zu entscheiden. Da musst du den und den anrufen. Und wo wir schon mal dabei sind. Von wo kommt ihr. Ähm, Haugesund. Uiuiuiii. Ihr seid hier auf Karmøy und dieser Bootsplatz ist nur für Leute aus der Karmøy Kommune. Ich stand kurz vorm Mord. Aber wenn der Richard dir gesagt hat, dass du hier einen Platz bekommst, dann soll er mal zusehen. Solange legen wir dein Boot jetzt auf seinen Platz. Mittlerweile hat sich die Situation etwas entspannt. Wir können einen Bootsplatz haben, nur der Preis passt mir noch nicht so ganz. Aber das ist reine Verhandlungssache.

Gestern haben wir unser neues Glück gleich mal ausprobiert und sind bei windstiller See im Sonnenuntergang auf die Nordsee raus. Traumhaft. Muss man mal erlebt haben.

Mit diesen Bildern verabschiede ich mich für heute. Machts hübsch, bleibt geschmeidig und ich glaube der nächste Bericht kommt wieder vom Besuch. Wir lesen und hören uns. Und falls wir vorher nicht mehr dazu kommen, wünschen wir all unseren Lesern ein frohes und gesegnetes Osterfest. Ich häng den Heiligenschein jetzt wieder in den Schrank und widme mich der Musik von der Konkurrenz.

und dem Abwasch

Gruß

Karsten



Schnee von Gestern
Freitag, 19. März 2010, 17:54
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Facebook, Web, Haugesunds-Avis und Bild gelesen, jetzt schreib ich wieder selbst. Ja ich sollte mich freuen! Nicht nur das es in strömen Regnet und der Rest Schnne nun langsam zur Geschichte wird, nein, viel besser. Ich bin heute mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Hier im trockenen Los und dort in monsunartigen Regenfällen angekommen. Unterwegs noch ein paar Lastwagen an mir vorbei und ich sah aus wie frisch geduscht. Nur gerochen habe ich nicht so. Dann, nachdem ich mich irgendwie getrocknet habe, festgestellt das ich keine trockene Unterwäsche dabei hatte. Super. Also ohne Socken in die Arbeitsschuhe. Um kurz nach 8 Uhr ist an der Winsch ein Seil gerissen und der daran hängende Karabiner mir sprichwörtlich um die Ohren geflogen. Der Flug endete mit einem großen Knall an einer Riffelblechabdeckung. Nur gut das der nichts passiert ist. Dem Knall nach zu Urteilen hätte mir das Ding einen bleibenden Eindruck verpasst. Ab 9 Uhr wurde es dann besser.  In der Mittagspause gabs sogar Kuchen vom Chef. Erwähnte ich eigentlich das es um 7,30 Uhr aufhörte zu regnen?! Wer jetzt glaubt das es so blieb, der irrt. Um Punkt 15 Uhr fing es wieder an. Also in die nassen Sachen rein, die dann noch etwas nässer wurden und ab nach Hause. Ich überlege grade ob nässer die Steigerung von nass ist, belasse es aber dabei.

So viel zu meinem Tag, jetzt zum wesentlichen.

Judith war beim Arzt. Sie kommt durch und alles wird gut. Routineuntersuchung, mehr nicht.  Über das Gesundheitssystem brauche ich hier nicht mehr viel zu schreiben. Alles ist staatlich und jeder kommt so dran, wie grade Zeit ist. Alter Hut. Man sollte aber auch bedenken, dass die Ärzte hier nicht nett sein müssen. Die Patienten kommen sowieso. Warum also Mühe geben ?! Und dann noch mit Ausländern! Judith hat sich Heute mal wieder einen Migräneanfall gegönnt. Wäre für mich ein Anlass, angeln zu gehen. Aber da es immer noch regnet …Zudem bläßt es ganz gut draußen. Unter dem Gesichtspunkt lohnt sich wohl doch noch ein Ausflug. Aber da ich nicht auf meine Kosten kommen möchte, lassen wir das. Mann wird älter!

Ich merke grade das in der Woche nicht wirklich viel passiert ist und ich hier nur irgendein dummes Zeug in die Tasten haue. Und bevor ich Euch  mit unnützem Gefasel das Wochenende verkürze, belasse ich es auch dabei.

Wer Fragen oder sonstige Anmerkungen hat kann diese an der Pinnwand loswerden oder uns per Email zukommen lassen! Wir lesen voneinander!

Bis zum nächsten Mal!

Gruß

Karsten



Heringswochen
Freitag, 12. März 2010, 15:43
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Es ist Wochenende, die Sonne lacht und der Schnee schmilzt. Was will man mehr?! Wir hatten die Woche über durchgehend Plusgrade, dafür aber Nebel. Eine Suppe, ich sag Euch… Jetzt weiß ich auch warum der Norweger das “Fiskepudding” nennt. Wer solchen schon mal gesehen hat, hat ein Bild davon wie es hier aussah.

Aber das Beste, wie die Überschrift ja schon besagte, kommt noch. Die Heringe sind da! Vor gut einem Monat fing das ganze ja schon auf der Arbeit an, jetzt sind sie auch hier in den Gewässern anzutreffen. In Mengen und Größen, da hab ich an der Ostsee immer von geträumt. Letzten Sonntag war Saisonauftakt. Da ich so fleißig war und einen Schrank aufgebaut habe, durfte ich am Sonntag, nach dem Mopstreffen, an besagte Brücke. Montage runter gelassen und Bingo. Da ich aber Frau und Hund dabei hatte dauerte der Angelausflug nur 90 Minuten. Zum Glück wie sich nachher herausstellen sollte. In diesen 90 Minuten verirrten sich 50 Heringe an meinen Haken. In Kilo waren es 13,5. Den 90 Minuten angeln folgten dann 150 Minuten Fisch säubern und anschließende Küchengrundreinigung. Den Großteil der Schuppen hatte ich schon am Wasser weg gemacht. Aber ebend nicht alle. Wo ich die überall gefunden habe…

Und weil ich den Hals nicht voll genug kriegen kann, bin ich am Mittwoch gleich nochmal losgezogen. Nochmal 30 Stück, oder gute 8 Kilo, oder 120 Minuten in der Küche,ganz wie man will. Jetzt gibt es gebratenen Hering, Hering mit Kartoffelsalat, Hering in Essig eingelegt, getrockneten Hering, Sahnehering, Hering gegrillt, Hering mit Kräutern, geräucherten Hering, Heringsfrikadellen, Hering in Tomatensoße….

Morgen geht es dann wieder los. Die ersten 10 die in Essig eingelegt waren, sind schon mal weg. Da muss Nachschub her. Das Spektakel ist hier sehr kurzweilig. So schnell wie die Freunde kommen, sind sie auch wieder weg.

So wie es aussieht, haben wir uns einen Bootsliegeplatz gekauft. Das Ganze geschah eher zufällig. Direkt hier auf Karmoy. Ein Angebot für ein Boot liegt auch schon vor. Der Preis passt mir nur noch nicht so ganz. Aber das werden wir ja dann noch sehen. Zudem muss ich mich noch mit dem Bootsanteil und dem Mitbesitzer auf Stord einigen.

Zum Schluss darf ich mich schon mal für die ganzen Glückwünsche bezüglich unseres kommenden Nachwuchses bedanken.  Der werdenden Mutter gehts langsam besser. Die morgendliche Übelkeit hält zwar noch an, aber ansonsten siehts ganz gut aus.

Ein Arbeitskollege hat zwei Mädchen. Ich habe ihn mal gefragt wie das denn geht, also mit den Mädchen. Er sagte das man dafür ziemlich gut sein muss. Wenn es ein Mädchen wird, sagte er zu mir, dann hast du wirklich alles gegeben. Danach deutete er auf unseren Vorarbeiter und sagte:” Guck dir den an, arbeitet nicht viel und seine Frau bekommt im Sommer den zweiten Jungen. Weiße Bescheid!”

Ob Mädchen oder Junge, steht bei uns noch nicht fest. Sollte es ein Junge werden, bekomme ich sicherlich kein Schulterklopfen von ihm. Fest steht aber, wird es ein Mädchen, sitzen er und ich im Sommer drin und ziehen Puppen an und aus, während unser Kumpel draußen Fussball spielt oder Angeln geht.

In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Mal!

Gruß

Karsten



Historier fra Vestlandet
Freitag, 5. März 2010, 19:22
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Geschichten aus dem Westland, wenn man es frei übersetzt. Mir ist aufgefallen, dass ich Euch die Autoeinfuhrgeschichte nicht zu Ende erzählt habe. Wie oft wir wo waren kann ich gar nicht mehr genau sagen. Ich versuche mal zusammen zu fassen.

Als erstes war ich beim Vegvesen. Dort sagte ich, dass ich gern ein Auto in Norwegen einführen möchte. Man wies mich aber ab und schickte mich zum Zoll. Dort musste als erstes das Auto versteuert werden. Also 25% auf den Marktwert in Deutschland. Dazu mussten wir eine Bescheinigung haben, die besagt, was das Auto in Deutschland wert ist. Meine Mutter war so nett uns diese zu besorgen. Mit dieser Bescheinigung ging es dann zum Zoll und man wurde das erste Mal zur Kasse gebeten. Hier gab es jetzt eine Bescheinigung, dass das Auto versteuert wurde. Mit dieser musste man dann wieder zum Vegvesen, wo festgestellt werden musste, dass es sich auch wirklich um besagtes Auto handelt. Hier trat dann das Problem auf, dass sich besagtes Auto nicht im Computer befindet. Twingo wurde nie von Renault in Norwegen vertrieben. Also war eine COC - Bescheinigung nötig. Wieder Mama angerufen, wieder gewartet. Mit dieser Bescheinigung dann erneut zum Vegvesen. Dort dann erfahren, dass man nicht einfach so vorbeikommen kann, wie uns vorher gesagt wurde, sondern man auf bestimmte Tage achten muss, an denen diese Autos geprüft werden. Lediglich die Papiere wurden kontrolliert, ob auch alles vollständig ist. An eben dem bestimmten Tag wieder hin. Die Fahrgestellnummer wurde überprüft und eine Menge in den Computer eingegeben. Dann bekam man die Scheine vom Zoll wieder, wo jetzt eingetragen war, dass es sich auch tatsächlich um das besagte Auto handelt. Wieder zum Zoll, wieder bezahlt. Yes, fertig! Jetzt nur noch Schilder holen und gut. Nö, ohne Versicherung läuft auch hier nichts. Also vom Vegvesen, ohne Schilder, zur Versicherung, versichert, zum Vegvesen und dann Schilder bekommen. Zum Schluss sollte ich noch erwähnen, dass wir hier in Norwegen sind und die Arbeitszeiten staatlicher Einrichtungen als sehr arbeitnehmerunfreundlich beschrieben werden können. Also wenn man nicht beim Staat beschäftigt ist. Ist man dort beschäftigt, sind sie natürlich sehr arbeitnehmerfreundlich.

Wir haben uns zwei neue Schränke gekauft. Als wir diese heute endlich abholen wollten, weil ich den Pickup von der Arbeit nicht eher bekommen konnte, habe ich gedacht: Hhhhmmm, Einrichtungshäuser sind hier wohl auch staatlich. Also das Geschäft hatte um kurz nach 18 Uhr noch auf. Das Lager jedoch nicht mehr. Ja, man braucht hier sehr viel Gedult. Am meisten ärgert mich gerade, dass meine Angelsachen im Auto sind, welches ich auf der Arbeit habe stehen lassen. Das Möbellager macht morgen erst um 10 Uhr auf. Davor hätte man doch prima die Zeit nutzen können. Aber ich glaube das verschiebe ich auf Sonntag. Schränke aufbauen geht bei uns selten reibungslos von der Hand und dann gönne ich mir Sonntag diese Auszeit gerne.

Erwähnte ich eigentlich schon, dass der ganze Schnee, der im laufe der Woche auf Grund von schönem Wetter geschmolzen ist, heute wieder neu runter kam. Wo ihr in Deutschland bald im T-Shirt rumlauft, legen wir hier noch ne Extrarunde in Sachen Schnee- und Eisglätte ein.

So, genug für heute! Bleibt geschmeidig und denkt beim nächsten Mal, wenn irgend etwas zu langsam geht, es gibt da noch ein Land hinter den sieben Bergen, da wohnt einer, bei dem dauert es mitunter noch viel länger.

Bis zum nächsten Mal!

Gruß

Karsten





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