Abgelegt unter: Tagebuch
Oder um es anders auszudrücken. Entschuldige Mama, aber ich bleib noch ein bischen länger.
Heute ist der 31.07.09. Sechs Monate sind seit meiner Ankunft in Norwegen vergangen. Eigentlich etwas mehr, da ich ja schon mitte Januar hier hingefahren bin. Jedoch habe ich erst am 01.02.09 ganz offiziell meine neue Arbeitsstelle angetreten. In meinem Vertrag steht das nach Ende der Probezeit der Vertrag automatisch als Festvertrag gilt. Da mir heute niemand gesagt hat das ich Montag nicht mehr zu erscheinen brauche…
Was ist seit dem alles passiert und wie ist es mir gelungen mich nicht unterkriegen zu lassen?!
Auch könnte man es das Streben nach Glück nennen. Wie im gleichnahmigem Film würde ich die Zeit in Kapitel einteilen wollen. Meine hätten bloß andere Namen. Richtig glücklich war ich hier zum ersten Mal als ich den ersten Lohn auf dem Konto hatte. Finanz- und Gesundheitssorgen sind doch die, die einem am meisten zusetzen können. Das nächste Erlebnis vollkommener Glückseeligkeit hatte ich als ich das Angeln auf Grund von zu viel Fisch einstellen mußte. Zwei kurze Momente, die jedoch nachhaltig Eindruck hinterlassen haben.
Nicht zu vergessen der Tag an dem Frau und Hund samt Umzugsgut hier angekommen sind.
Aber es waren sicherlich nicht nur schöne Momente die ich Erlebt habe. Da ich die letzten Jahre Büroarbeit gewohnt war, war die Umstellung doch gewaltig. Blasen an den Händen, Kreuzschmerzen und ähnliches waren Begleiterscheinungen auf die ich auch gern verzichtet hätte. Zudem eine völlig neue Sprache und der eigene Anspruch alles Perfekt machen zu müssen. Zwischedurch war ich so durchgeknallt das ich meinte, je mehr ich schaffe um so höher die Wahrscheinlichkeit das ich bleiben kann. Ich legte beim Knoten das Seilende nicht aus der Hand um sofort mit dem Nächsten weiter machen zu können. Ich verzichtete darauf zwischendurch aufs Klo zu gehen oder was zu trinken und rechnete mir nachher aus wie viel Zeit ich gegenüber den anderen gespart habe und wie ich noch mehr schaffen könnte. Wo mein Kollege der mit mir angefangen hat, mit Zwischenmenschlichkeit Boden gut machen konnte, mußte ich mit Arbeit überzeugen.
Ich denke es hat sich gelohnt. Nun versuche auch ich es etwas ruhiger angehen zu lassen. Mein Spruch der mir durch die Zeit geholfen hat, war: “Wo den anderen die Luft ausgeht, fängt für mich das Leben an.”
5 €uro in die Machokasse! Aber versucht es mal selbst, es hilft.
Für den nächsten Bericht sitze ich grade in einem Wirrwarr von Informationen. Es geht um das Thema Krank sein. Das einzige was hier Krank zu sein scheint, ist das Gesundheitssystem. Die Erkenntnisse würden den Rahmen dieses Berichtes sprengen, darum hebe ich es mir fürs nächste Mal auf.
Wie ich an der Pinnwand lesen durfte, wird mir Mitleid wegen des Wetters zugesprochen. Nun ja, ich nenne es Nordic Sommer! Heute haben wir 15 Grad und ein Wolken-Regen-Sonne- Mix wovon ersteres klar überwiegt.
Genießt also die Sonne solange ihr Sie habt. Ich genieße derweil das Meer, die Fjorde, und die Ruhe. Das schöne daran ist das ich weiß das auch bei Euch nicht immer die Sonne scheinen wird. Das bei mir das Meer oder die Fjorde verschwinden halte ich dagegen für unwahrscheinlicher. ( Antje, du siehst mich grade mit dem linken Auge zwinkern!)
So, wie am Ende jedes Berichtes wünsche ich Euch an dieser Stelle ein schönes Wochenende. Bleibt mir treu, empfehlt mich weiter und schaut auch das nächste Mal wieder rein wenn es um das Thema ” krankes Gesundheitssystem” geht.
In diesem Sinne
Gruß
Karsten