Nach Tief kommt Hoch
Freitag, 26. Juni 2009, 16:36
Abgelegt unter: Tagebuch

Nachdem ich nun einige Zeit unserer Seite nur passiv beigewohnt habe, melde ich mich auch mal wieder zu Wort. Hier schreibt also Judith..

Am letzten Wochenende habe ich MEIN erstes Geld hier in Norwegen verdient. Karsten berichtete kurz. Am Donnerstag und Freitag abend Bedienung in einer Bar auf dem Rockfest und am Samstag die Herrschaft über 25 Dixi-Klos und Müll-sammel-Dienst. Super Job, aber es gab Geld!

Am Sonntag war ich dann noch bei unserem Vermieter im Restaurant arbeiten. Das hat richtig Spaß gemacht. Es war ebenfalls viel Arbeit, da es sehr voll war, aber ein sehr angenehmes Arbeitsklima und penger direkt auf die Hand! Hatte erst überlegt den Schein wie Dagobert Duck einzurahmen..

Es gibt allerdings noch mehr Neuigkeiten. Aber fange ich mal vorne an. Ich hatte am Dienstag mein erstes Vorstellungsgespräch. In einem Kindergarten. Drei nette Damen haben mich eine halbe Stunde lang ausgequetscht. Mit meinen Norwegischkenntnissen gelang mir das sogar schon recht gut. Es scheint üblich, dass die hier einen Fragenkatalog abarbeiten: Wann bist du glücklich? Was machst du in deiner Freizeit? Und natürlich pädagogische Fragen wie: Wann ist es wichtig Grenzen zu setzen? Grenzen? Kennen norwegische Kinder sowas? Die scheinen hier alles zu dürfen! Laissez-Faire sei Dank! Wenn der Sohn von unserem Vermieter (14 Jahre alt) meint, er müsse mitten in der Woche um 23 Uhr draußen auf dem Hof vor unserem Schlafzimmerfenster Fussball spielen, dann ist das eben so… Zurück zu meinem Gespräch: Sagen wir mal so: ich hatte ein ganz gutes Gefühl fürs erste Vorstellungsgespräch in Norwegen.

Am Mittwoch folgte direkt das zweite “jobbinterview”. Wieder drei nette Menschen, diesmal aber ein Jugendzentrum. Während des “Gesprächs” hatte ich mir fast überlegt aufzustehen und zu gehen. Ich habe vielleicht 20 % verstanden! Ny-norsk sei Dank (Westküsten - Dialekt). Habe dennoch tapfer durchgehalten. Die Frage danach, ob ich “rus” nehme habe ich erstmal dirket falsch verstanden und darauf geantwortet, was ich mit Jugendlichen tun würde, wenn sie Drogen einnähmen. Gemeint war allerdings, ob ICH rus konsumiere / konsumiert habe. Ich muss schrecklich ausgesehen haben… Dieses Vorstellungsgespräch fällt wohl unter die Kategorie Satz mit X..

Das dritte Gespräch folgte prompt am Donnerstag. Kindergarten, zwei nette Damen und ein sehr nettes Gespräch. Um das Ende vorweg zu nehmen: ich habe einen Job! Ich fange am 17.8. in einem komplett neuen Små - Barnehage (übersetzt: Klein - Kindergarten) an. 70% Stelle. Im Juli werde ich schon einige Tage arbeiten um den Jungen, mit dem ich ausschließlich arbeiten werde, kennen zu lernen und er mich. Ein Junge? Ja, einer. Er hat Autismus und bekommt hier in Norwegen einen Vorschullehrer und mich als Assistent mit besagten 70% für sich alleine! Das nenne ich mal Förderung!! Es wird bestimmt nicht einfach, aber ich freue mich auf neue Aufgaben! Das schönste aber ist: ich bin nicht mehr arbeidsledig!

Vom Thema Behördenwahnsinn gibt es momentan nicht viel zu berichten. Sie tun anscheinend das, was sie öfter tun und auch am besten können: nichts! Es passiert nichts. Der Briefkasten hat schon seine Kündigung eingereicht, weil er nichts zu tun hat! Denke mal, dass die weisse Fahne, die er rausgehängt hat, das zu bedeuten hat..

Wer also Mitleid mit unserer grünen postkasse hat, der weiß schon, was zu tun ist.

Der nächste Bericht wird von unserem derzeitigen Besuch verfasst und folgt in Kürze.

Bis dahin: Bleibt uns treu!

Judith









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