Der Tag am Meer
Samstag, 31. Januar 2009, 17:31
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Da der Wetterbericht einen sonnigen Tag voraus sagte, entschloss ich mich, meiner guten Fee zum Abschied noch etwas Meer zu präsentieren. Natürlich durften auch hier die Angeln nicht fehlen.

Die Wettermänner sollten recht behalten. Wir hatten Sonne von morgens bis abends. Ich weiß nur nicht was hier mit den Fischen los ist. Irgendwie ist mir das Glück nicht gegönnt. Ich hätte Svenja gern zum Abschied frischen Fisch zubereitet. Da dies aber aus mir unerklärlichen Gründen ausblieb, mußten wir auf den Tiefgefrorenen zurückgreifen.

Svenja machte sich grade auf den Weg. Ich wünsche ihr alles Gute für die Fahrt. Zu mehr bin ich im Moment nicht in der Lage. Zweifel nagen an mir. Jetzt wo ich alleine bin, werde ich mir sicherlich noch das ein oder andere Mal wünschen ich hätte mich im Kofferraum versteckt. Sollte ich so etwas wie Heimweh bekommen?

Für den Abend habe ich mir eine Dose Bier kalt gestellt. Die gönne ich mir heute mal. Zudem werde ich mal ein wenig die letzten zwei Wochen an meinem inneren Auge vorbei ziehen lassen. Morgen mache ich mal gar nichts. Ich werde gammeln und auf die Nachricht warten das Svenja gut angekommen ist. Muß ja schließlich fit sein. Am Montag geht es dann gut ausgeruht in eine neue Woche mit neuen Herausforderungen. Jetzt bin ich auf mich alleine gestellt.

Zum Schluß gibt es noch ein wenig vom heutigen Tag für die Augen.

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In diesem Sinne!

Bleibt mir treu!

Karsten

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Feierabend
Mittwoch, 28. Januar 2009, 16:53
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So Freunde! Die erste Schicht ist rum.

Wie immer wenn man was Neues anfängt, ist natürlich alles erst mal Neuland. Ich glaube ich habe da noch ne Menge zu lernen bevor sich mal so etwas wie Routiene einstellen mag. Ich würde nicht von mir behaupten das ich zwei linke Hände habe. Bei einigen Knoten stand ich jedoch da wie der Sprichwörtliche Ochs vorm Berg.

Ein großes Kompliment an meine Arbeitskollegen. Ich kann mir vorstellen das es ziemlich nervig sein kann, dem Neuen alles 5 mal erklären zu müssen. Wenn der beim 5ten mal aber immer noch guckt wie Auto, weil er die Sprache einfach noch nicht so drauf hat, zeigt sich wer Gedult hat und wer nicht. Ich wäre glaube ich schon so manches Mal ziemlich nervös geworden. Es ist mir fast schon peinlich gewesen so oft nachfragen zu müssen. Irgendwie scheine ich da das größte Problem mit zu haben. Und wenn ich 20 Mal nachfragen würde, bekäme ich am Ende immer noch eine freundliche Antwort. Toll die Nordmänner und natürlich auch Frauen. Ich denke nicht das es an der Vorbereitung mangelte. Mich versteht hier jeder. Das Problem an der Sache ist, dass die hier an der Westküste einen Dialekt sprechen, der viele Worte einfach anders klingen läßt. Da muss sich mein Gehör erst noch dran gewöhnen.

Ich habe heute zum ersten Mal Post bekommen! Die Polizei schrieb mir. Meine Aufenthaltsgenehmigung lag auch mit bei. Ich darf mich jetzt ganz legal die nächsten 5 Jahre in Norwegen aufhalten, arbeiten und was man hier sonst noch so darf. Somit ist auch der Weg geebnet für meine P-Nummer.

Für alle die es noch nicht wissen: Die P-Nummer ist hier so etwas wie der heilige Gral. Wer die nicht hat ist kein vollständiges Mitglied der Gesellschaft. Ohne die Nummer bist du hier niemand. Die brauchst du für so gut wie alles. Konto, Steuerkarte, Versicherung etc.

Meine Lehrerin hat mich allein gelassen. Sie besucht eine Freundin auf Bömlo. Das Wetter ist heute alles, nur nicht schön. Es regnet schon den ganzen Tag.

So übe ich schon mal das allein sein weit weg von Familie und Freunden.

Bleibt mir treu!

Gruß

Karsten



“E - wie Einfach!”
Montag, 26. Januar 2009, 18:40
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Ich darf mich nun stolzer Besitzer eines VW Polo 1,4 nennen! Und Tusch!

1-0101Gestern Abend hin gefahren, angeschaut, Probe gefahren, heute hin, Kaufvertrag unterschrieben, bezahlt und das wars. So einfach sind die kleinen Freuden. Ich wollte nicht mehr. Die letzten Tage waren eigentlich nur der Autosuche gewidmet. Zudem schwirrten die Gedanken ständig um das Thema was sein wird wenn wir keins finden. Zugegeben: Er war etwas teurer als geplant aber dafür hält er hoffendlich ein Weilchen. Und da derjenige der billig kauft meist 2 mal kauft…Lange rede kurzer Sinn. Der Wagen kam vor 2 Tagen frisch über den TÜV der hier EU - godtkjent heißt. Neben einem neuen Zahnriemen hat er ne neue Wasserpumpe und was weiß ich sonst noch alles.

Die Zulassung und die Versicherung des Autos läuft hier etwas anders ab als in Deutschland.

Bei der Versicherung reichte das Kennzeichen sowie das Baujahr. Dazu meine Angaben und siehe da, der Wagen ist auf mich versichert. Dauerte keine 10 Minuten. Das einzige Problem an der Sache ist das ich vorab in Deutschland schon meine Versicherung kontaktierte und um ein Schreiben bat welches auf Englisch oder Norwegisch besagt das ich einen bestimmten Bonus (Prozente) habe. Nein, das brauchen sie nicht das funktioniert auch so. Ab heute weiß ich es besser. Es funktioniert nicht so und man braucht ein Schreiben der Versicherung um hier nicht bei Null anfangen zu müssen.

Genau so einfach sieht es mit der Umregistrierung aus (in Deutschland Ummeldung). Hallo, ich besitze jetzt den Wagen mit folgendem Kennzeichen, dazu ein vorgedrucktes Schreiben, welches von mir und vom vorherigem Besitzer aufgefüllt wurde und siehe da, ich bin rechtmäßiger Besitzer des Autos und bekomme den Fahrzeugbrief in ein paar Tagen zugeschickt. Apropo zugeschickt. Ich habe heute einen Briefkasten gekauft und angebracht. Wer also die altmodische Variante wählen mag und Zettel und Stift zur Hand nehmen will dem sei hiermit gesagt, Feuer frei. Würde mich freuen.

Das Kennzeichen welches ein Wagen besitzt ändert sich hier übrigens nicht. Ein Tip an alle die sich in Norwegen ein Auto kaufen wollen. Man kann auf sein Auto einen Kredit aufnehmen. Die sogenannte  heftelse. Achtet darauf das da kein Eintrag vermerkt ist und lasst es Euch zudem schriftlich im Kaufvertrag bestätigen.

Ich statte heute meinem neuen Arbeitgeber einen Besuch ab. Ich hatte doch noch die Lohnsteuerkarte die besser bei ihm liegt als bei mir. Außerdem bekam ich heute meine Kontonummer. Wie gesagt, Karte und Onlinebanking erst wenn die Aufenthaltsgenehmigung da ist. Mal sehen ob ich es diese Woche noch schaffe mal einen Tag arbeiten zu gehen. Er sagte so viel wie: Na ja, ich weiß das dass ne Menge zu tun ist mit so einem Umzug. Wenn Du diese Woche kommen magst, du weißt ja wo die Firma ist. Danach folgte noch eine kurze Unterhaltung mit den neuen Arbeitskollegen die ich ja schon vom Probearbeiten aus dem letzten Urlaub kannte.

Ich komme immer mehr hier an. Auch merke ich das mir die Unterhaltungen einfacher Fallen als es noch im November beim letzten Urlaub der Fall war. Ohne Svenja wäre ich wahrscheinlich nicht so schnell so weit gekommen. Meine gute Fee verläßt mich jedoch am Samstag und dann werden wir mal sehen wie es weiter geht.

Ein sonniger Tag neigt sich dem Ende zu. Ich bin froh das ich ein Auto gefunden habe. Läßt mich etwas ruhiger Schlafen glaube ich. Wie gesagt, wenn meins weg gewesen wäre hätte es einige Probleme mit sich gebracht mal eben ein neues zu finden. Wir sind hier nicht im Ruhrgebiet. Die Entfernungen sind doch etwas weiter und das Busnetz ist hier bei weitem nicht so gut ausgebaut.

Fazit des Tages: Manchmal erreicht man seine Ziele schneller und leichter als man denkt. Wir sind noch keine Woche hier und die to do Liste ist schon so gut wie abgearbeitet.

Bleibt mir treu. Bis zum nächsten Mal!

Gruß

Karsten



Augen auf beim Autokauf
Samstag, 24. Januar 2009, 21:06
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Und wieder geht ein Tag ins Land der an Überraschungen nicht zu toppen war. Die Hauptfrage des heutigen Tages war : “Ist das Unglaublich?!”

Die letzte Woche war ja schon nicht schlecht. Der heutige Tag jedoch….Lest und staunt.

Wir ( meine Norwegischlehrerin Svenja, die ich bis dato nicht vorgestellt habe und ich) schafften es für mich ein Konto einzurichten, meine Aufenthaltsgenehmigung sowie meine Steuerkarte zu beantragen und das Internet ans laufen zu bringen. Nun stand eigentlich nur noch das Auto aus, dass wir kaufen wollten. Beim Umherfahren und Vergleichen der Angebote stießen wir auf einige Überraschungen. Ich glaube kaum das es in Deutschland seriöse Autohäuser gibt die versuchen einem einen derartigen Müll anzudrehen wie sie es hier praktizieren. Andere Länder, andere Sitten. Wenn ich Euch jetzt sage das die hier für einen 97 Nissan Micra gute 3500 € haben wollen, habt Ihr so eine ungefähre Ahnung was hier los ist.

Nun ja, ein VW Caddy Diesel stand auch noch zur Debatte. Ich denke wenn alle Stricke reißen, wird es der werden. Aber da sind wir noch nicht. Wir hatten noch ein Treffen offen.

Auf dem Weg zu diesem Treffen dachte sich meine Blase, dass sie ein Bedürfniss anzumelden hätte. Gut, irgendwo in der Pampa angehalten und kurz den Dingen ihren Lauf gelassen. Das dachte sich wahrscheinlich auch der Hund, der vorher an dieser Stelle vorbei ging. Nur kam bei ihm Land mit. Der würdevolle Entdecker dieser Landmassen bin nun ich. Besser gesagt mein rechter Schuh. Ich fragte Svenja ob das Unglaublich sei?! Mitten im Nirgendwo scheißt ein Hund und wer tritt rein? Die Lacher waren auf meiner Seite. Da war ihr Fall vom Stuhl am gestrigen Abend so interessant wie die Zeitung vom Vortag.

Wir schauten uns den Wagen an. Peugot 306 Turbodiesel mit 90 Pferden unter der Haube. Ein schweinegeiles Teil, welches abging wie der Satan höchst Persönlich und dich nur beim kleinsten Tritt aufs Gas in den Sitz gepresst hat. Ich war verliebt. 94 Baujahr, kein Rost, gut gepflegt. Und Tusch. Tatatataaaaa.

Wir verabredeten uns mit dem Verkäufer an einer Tankstelle auf Karmoy. Erst mal nichts ungewöhnliches. Er verkaufte den Wagen für seinen Bruder. Auch nicht schlimm. Da ich nicht so viel Geld bei hatte um den Wagen sofort und in Bar zu zahlen, verabredeten wir uns um 17 Uhr am gleichen Ort. Er bringt den Kaufvertrag mit und ich das Geld. So weit so gut. Ihr dürft raten wer nicht erschien.

Gegen 19.30 Uhr meldete sich der Verkäufer und fragte was denn jetzt los sei? Freund Hase! Wir kommen nicht aus der Gegend wo du her kommst. Er kam nicht aus Norwegen, so viel sei gesagt, nannte uns weder Namen noch Adresse und war auch im übrigen eher der Vertreter der Marke:” Der bitte nicht”. Ich kann es nicht beschreiben aber mein Bauch sagte mir das irgend etwas nicht stimmt.Es kann seine Erscheinung oder sein Auftreten gewesen sein, ich weiß es nicht.

Bei uns gibt es so etwas wie Pünktlichkeit. Wir hatten eine Verabredung und Du bist nicht erschienen. Warum wir uns denn nicht gemeldet haben? Hallo?! Gehts noch? Willst Du was verkaufen oder wir?

Spekuliert selbst. Wir konnten uns nicht helfen. Die Sache hatte auf ein mal einen ziemlich faden Beigeschmack bekommen.

So far, so good oder besser gesagt so lang, so bra.

Wir suchen weiter. Heut Abend schlaf ich bestimmt schlecht. War ein geiles Ding, mir aber leider eine Spur zu unseriös auf der Ziellinie. Ich glaube das trifft es ganz gut.

Mit diesen Gedanken lasse ich Euch jetzt ins wohlverdiente Wochenende.

Bleibt mir treu.

Gruß

Karsten



Lebenszeichen aus Norwegen
Donnerstag, 22. Januar 2009, 23:00
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Da  ja doch etwas Zeit seit dem letzten Tagebucheintrag vergangen ist bin ich Euch eine kleine Erklärung hierfür schuldig. Ich habe weder gechillt noch habe ich mich dem hedonismus hingegeben.

Ich war fleißig, auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

Kalle und Multitasking? Ja, lest und bewundert meine feminine Seite.

Es war doch eine Menge Arbeit sich auf den Trip verzubereiten. Immer diese Fragen ob man auch an alles gedacht hat, machten einen recht weich im Kopf. Manche Wege bin ich mehrere Male gegangen, nur aus dem Grund, dass mir auf dem Weg zu a eingefallen ist was ich an b noch machen wollte. Listen schreiben für den Zoll, abmelden, Auto packen, letzte Besorgungen machen und so weiter und so fort. Mein Hirn rotierte um die eigene Achse und warf dabei immer wieder neue Bilder an die Innenwand meines Kopfes. Wenn ich es besser beschreiben könnte würde ich es tun, aber Robbie Williams sagte mal: “the pausebutton is broke on my video”. Ich weiß was er damit meinte.

Nach dem Aufbruch und den letzten vergossenen Abschiedstränen kam dann eine mir nicht enden wollende Fahrt. Wie immer mit viel zu viel Zeit im Gepäck machten wir uns auf den Weg.  Erst hatte die Fähre Verspätung und auch die See meinte es nicht gut mit mir. Wellen, Wind und Brechreiz! Alles in allem, grob zusammengefasst, brauchten wir von Herten nach Haugesund ungefähr 28 Stunden. Noch Fragen?! Ich nicht!

Jetzt wo die rostige Kette aus dem Kopf verschwunden ist und ich wieder einigermaßen klar denken kann, ein paar Zeilen für Euch! Ein Fazit der ersten Tage wäre noch zu früh. Was ich sagen kann ist, dass ich von den Menschen hier sehr freundlich empfangen werde.

Danke noch mal für die vielen guten Wünsche. Mir kam es die letzten Tage nicht wie Auswandern vor. Oft sagte ich zu meiner Frau das es sich für mich wie Urlaub anfühlt. (was jetzt nicht unbedingt mit meiner Frau zu tun hat) Es war alles so weit weg, so abstrakt, zu abgefahren um irgend wie zu verstehen und in die passenden Worte fassen zu können.

Ich denke wenn Ruhe eingekehrt ist und ich hier so etwas wie Alltag erleben kann, werde ich alles noch mal Revue passieren lassen. Bis dahin….

Für heute genug!

Aus der Ferne viele Grüße in die Ferne!

Karsten



Erster Eintrag
Montag, 12. Januar 2009, 18:01
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Erster Eintrag 12. Januar 2009

An dieser Stelle möchte ich Euch die erste Frage stellen. Was war das denn? Die Scharmesröte ist mir immer noch nicht aus dem Gesicht gewichen und meine Verlegenheit hält nach wie vor an. Ich habe ja schon so einiges erlebt und unverhofft kommt oft aber das war der Hammer. Ein ganz fettes RESPEKT! Ich tue mich mit derartigen Gesten immer etwas schwer und hätte ich nicht jeden von Euch begrüßt, so wäre ich sicherlich in Tränen ausgebrochen. Also Flucht nach vorne und mitten rein! Der Kloß im Hals war doch schon sehr dick. Daher möchte ich an der Stelle auch noch mal um Entschuldigung bitten, dass ich keine Rede gehalten habe. Ich hätte es nicht in Worte fassen können. Ich möchte mich hier an dieser Stelle bedanken. Und zwar restlos und bei allen die da waren. Ich möchte nicht anfangen einzeln aufzuzählen weil ich bestimmt jemanden vergessen würde. Das wäre nicht fair. Also noch mal Dankeschön! Fühlt Euch umarmt, geküsst oder sonst noch was! Sucht es Euch aus. Es sei Euch gegönnt. Nicht ohne Stolz und mit breit geschwellter Brust werde ich jetzt den weiteren Weg antreten. Wir lesen voneinander.

Danke das Ihr da seid.

Gruß

Karsten





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